Women only

Riskant?

Vertrauen ist gut, Kontrolle sowieso anstrengend. Worauf lassen Sie sich ein?

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr, heißt es. Stimmt schon, erzählt einem das Gegenüber „Geschichten vom Pferd“, verliert man das Vertrauen in die Person.

 

Vertrauen spart Geld

 

Wie ich in einer Buchrezension gelesen habe, soll Vertrauen Geld und Kosten sparen. Etwa solche, die durch ständige Absprachen, Verhandlungen und Neuvereinbarungen entstehen. Klar, wenn kein roter Faden erkennbar ist und niemand weiß, was zu tun ist oder worauf Verlass ist, was wie lange gilt, Ansprechpartner fehlen oder die Ellenbogen ausgefahren sind, bleibt auch das (Selbst-)Vertrauen auf der Strecke. Das mag moralisch oder finanziell teuer werden. Aber Vertrauen schont bestimmt nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Nerven.

 

Demotivierendes Misstrauen

 

Woanders heißt es, dass die Welt wieder in Vertrauen investieren muss, denn unserer Gesellschaft drohe der Verlust der Fähigkeit, zu vertrauen. In der Tat scheint sich angesichts der wirtschaftlichen Lage die Haltung „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ durchzusetzen. Wer mit offenen Augen, Ohren und ausgefahrenen Antennen durch den Alltag geht, wird das spüren. Argwohn ist offenbar „in“. Das ist angesichts von Existenzängsten, negativen Erfahrungen oder Schicksalsschlägen nicht unverständlich. Was es aber auch ist: anstrengend, zerstörerisch und kontraproduktiv – etwa, wenn ein weiteres Zusammenleben oder Zusammenarbeiten dadurch erschwert wird. Vertrauen ist sozial, Misstrauen demotiviert. Wer vertraut, geht das Risiko ein, enttäuscht zu werden. Blindes Vertrauen gilt als naiv. Wer misstraut (hier ist nicht die Portion gesundes Misstrauen gemeint), schürt Misstrauen und verunsichert seine Mitmenschen.

 

Kein Ersatz für verlorenes Vertrauen

 

Wie so oft gilt es wohl auch hier, den Mittelweg zu finden und sich immer wieder neu darauf einzulassen. Allerdings, wie der Autor Ernst Ferstl, treffend festgestellt hat: Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro.