Weibchenschema

Rote Rosen für Vati - Teil 4

Der Ton zwischen den Geschlechtern wird aggressiver – Die 80er Jahre.

Viel hat sich getan in Sachen „Gleichberechtigung“ in jenen dreißig Jahren, seit sie im Grundgesetz den Frauen versprochen wurde. Doch wie das mit schwerfälligen Apparaten nunmal häufig ist: Erst lief die Sache sehr langsam an. Frauen sollten ja schon gerne „gleich“ sein können, aber das doch lieber zu Hause und auch nicht so laut. Bis 1957 durften Ehemänner ein von ihnen unerwünschtes Arbeitsverhältnis ihrer Frauen einfach kündigen. Das galt im Prinzip sogar für weibliche Bundestagsabgeordnete. Dann kam die Studentenrevolte, aus der zum Schrecken der Studenten die Studentinnenrevolte hervorging, die Pille, die Abtreibungskampagne, die Hausfrauenrente und endlich das Partnerschaftsprinzip in der Ehe. Soweit prima – lesen Sie, wie es weiterging.


Die 80er


„Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau.“ Wer hat das gesagt? Margaret Thatcher. Sie hatte auch ihr Gutes. Und sonst: AIDS, Apple, Tschernobyl, Breakdance, im Fernsehen ein smarter Softie: McGyver, im Bundestag strickende grüne Männer, in der Mode Androgynes neben 50er Jahre Revival.


In den 80er Jahren wird der Ton zwischen den Geschlechtern aggressiver: Gefühl und Härte heißt die Parole, vor allem bei gebildeten jungen Frauen. Elisabeth S., Jahrgang 1962, ist Finanzbuchhalterin, schlank, blond, selbstbewusst. Sie lebt mit ihrem Ex-Mann zusammen. Die beiden teilen sich die Erziehungsarbeit, ohne noch ein Paar zu sein. Kompliziert, aber modern. Mit Frauenfragen ist sie früh in Berührung gekommen:


„Ich erinnere mich an diese §218 - Geschichte, als es darum ging, Abtreibungen vornehmen zu dürfen, das habe ich auch am eigenen Leibe dann mitbekommen, ich bin mit 17 schwanger gewesen und habe eine Abtreibung vornehmen lassen, und ich war in der glücklichen Situation, dass kurz vorher dieses Gesetz verändert wurde und ich das durfte, sonst hätte ich damit ein Problem gehabt. Ich erinnere mich, dass ich das dann richtig bewusst wahrgenommen habe und mich auch persönlich dafür eingesetzt habe und diskutiert habe mit Männern.“


Vieles war in Bewegung in den 80er Jahren: Es gab wohlwollende Presseberichte über Frauen in Männerberufen, in denen es hieß: „Frauen bewähren sich bei der Polizei: In mehreren Bundesländern werden in einem Modellversuch erstmals Frauen zum Vollzugsdienst in der Schutzpolizei zugelassen. Die neuen Kolleginnen stoßen zunächst auf starke Vorbehalte. Ein Zwischenbericht für den einjährigen Test kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass darin eine Chance zum Umdenken des polizeilichen Selbstverständnisses läge.“


Während die männlichen Polizisten dazu neigten, sich dem Bürger gegenüber „ruppig und von oben herab“ aufzuführen, hieß es in dem Artikel, sei die Polizistin - man ahnt es schon: „...verbindlicher, verständnisvoller“. Das wusste schon Christine de Pizan im Mittelalter: Frauen zivilisieren die Männer ...

 

Wir erinnern uns: Laut Helke Sander, der prominenten Filmemacherin und Frauenrechtlerin der 68er Generation, ging es damals zunächst nur darum, an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen zu können. Dazu wurde eine Entlastung der Frauen bei der Kinderbetreuung benötigt. „Mitmachen “ reicht den Studentinnen der 80er nicht mehr.


Elisabeth S.: „Wir waren in dem Fachbereich alles frauenbewegte Frauen. Das waren Frauenseminare. Da durften nur Frauen dran teilnehmen, ganz klar. Das fing damals an, dass Frauenräume erobert wurden. Die „Begine“ und verschiedene andere Frauenprojekte in der Stadt wurden aufgemacht, überall wurden Frauencafés eröffnet - also eigene Räume, wo nur Frauen rein durften, was ja damals zu großen Streitigkeiten darüber geführt hat, warum sie jetzt diesen exklusiven Raum beanspruchen. Permanent musste man diskutieren und sich das erkämpfen."


Bernhard L., Jahrgang 1958, studierte ungefähr um dieselbe Zeit in der Mauerstadt. Er kam aus einer straff matriarchalisch geführten Familie, jüngster Sohn mit vier älteren Schwestern und empfindet sich selbst als emanzipiert und frauen-kompatibel. Deshalb hat es ihn besonders getroffen, in Generalhaft genommen zu werden. „Ich hab das an der Uni mit bekommen, dass es dann immer Frauengruppen gab. Man durfte in bestimmte Seminare nicht rein. Ich fand das eher diskriminierend. Ich hab auch dafür Verständnis gehabt, weil ich wusste, da mussten Zirkel gegründet werden. Aber eigentlich fühlte ich mich als Individuum ausgeschlossen aus ganz bestimmten Prozessen. Und das fand ich nicht gut.“


Im Überschwang der 80er Jahre betrachtete sich praktisch jede jüngere Frau als „frauenbewegt“, wer es nicht war, musste sich mit „Tussi“ titulieren lassen. Und da kriegte mancher Mann die Rechnung für etwas, das er gar nicht verbrochen hatte: „Ich glaube, was verletzend war für jeden einzelnen Mann, war genau das, worunter ja die Frauen auch litten und wogegen sie angingen - nämlich die Verallgemeinerung: Ihr Männer seid ja sowieso... Dann hieß man gar nicht mehr „Männer“, sondern dann waren es die „Chauvis“, die „Männerschweine“. Und diese Art von Verallgemeinerung, die ist tatsächlich sehr verletzend. Diese Emanzipationsfrage, die Frauenbewegung, ging sehr tief in den privaten Bereich rein, bis hin zur Sexualität. Und da hat es Verletzungen gegeben. Die haben was mit Rache zu tun gehabt, mit Macht, mit ... Aggressivität.“

 

Elisabeth S. gibt das zu, aber sie lacht dabei: „Die Frauen waren stark und sich ihrer Stärke bewusst. Diese Mächtigkeit der Frauen, die hat dann solche Auswüchse angenommen, dass man morgens beim Frühstück gesagt hat: ‚Gib mir mal die Butter, du Chauvi!’ Es war klar: Frauen sind unterdrückt und Frauen sind auf der richtigen Seite, und es ist völlig legitim, was wir machen... Wir sind da sicher auch über die Stränge geschlagen,“ gibt sie zu, zögert und sagt dann hinzu: „Und ich merke, dass mir heute der Begriff „Macho“ ganz schwer über die Lippen geht.“


Bernhard L. bringt für dieses „über die Stränge schlagen“ wenig Verständnis auf. Noch heute, 20 Jahre später, bringt ihn die Erinnerung auf die Palme: „Auf der einen Seite waren alle Männer die doofen Chauvis und wurden genervt und auf der anderen Seite standen sie alle - wenn es darum ging, den Mann für die Nacht abzuschleppen - abends in der Kneipe genau neben diesen Chauvis und fanden die ganz toll. Das fand man dann als etwas differenziert denkender Mann zumindestens sonderbar. Und ging dann auch manchmal leer aus! Man wurde dann mit einem Verhalten konfrontiert, dass man dachte, also die haben ja echt den Schuss nicht gehört! Morgens große Klappe, sehr aggressiv, wie sie mit ihren Mitmännern umgehen und abends dann wirklich 'Weibchen', knallrote Lippen und geschminkt und der Push-Up schiebt den Busen hoch!“


Armer Bernhard! In den 90ern kam es noch schlimmer! Lesen Sie weiter im nächsten Teil demnächst hier bei MissTilly

 

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