Anderswo

Wunsch und Wirklichkeit

Was leistet das Elterngeld für die Gleichberechtigung? Dem Mythos um die "neuen Väter" auf der Spur.

Mehr und mehr erhärtet sich inzwischen die Erkenntnis, dass wir allen Vätermonaten und Elterngeldern zum Trotz noch weit entfernt sind von einer echten Veränderung. Was Frau Schröder gegenwärtig ebenso wie ihre Vorgängerin von der Leyen damals schon als Erfolgsmodell gefeiert hat, stellt sich zunehmend als lahme Ente heraus. Denn der in der Einführungsphase beobachtete Trend setzt sich fort: Die modernen Väter engagieren sich heute zwar für ein paar Monate an der Wickelfront, doch danach gehen sie wieder an den Arbeitsplatz. Und dann ist für sie alles wie gehabt.

 

Verlängerter Urlaub

In Wahrheit also, so wird mittlerweile bemängelt, sei das Modell "Vätermonate" nicht mehr als ein "verlängerter Urlaub" für Väter. Einer, der an den Strukturen nichts maßgeblich ändert. Denn an der Bereitschaft, sich stärker an Erziehungsarbeit zu beteiligen, hat sich augenscheinlich nichts wirklich getan. Gerademal fünf Prozent der Väter arbeiten Teilzeit. An dieser Größenordnung hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert und es tut sich hier auch entgegen aller Bemühungen kein Ruck.

Die ganzen schönen Fördergelder bringen demnach weder mehr Kinder noch neue Väter hervor. Selbst wenn sich tatsächlich 40 Prozent der Männer einen Teilzeitjob wünschen und noch so viele Frauen von echter Teilung, sprich: Halbierung der Haus- und Familienarbeit, träumen - Fakt ist: Das alte Ernährermodell lebt.

 

Die Vätermonate als Türöffner

Da liegt noch vieles brach. Denn, wie Soziologe Stefan Reuyß vom Institut für sozial- wissenschaftlichen Transfer in Berlin weiß: "Mit der ungleichen Verteilung wächst auch die Unzufriedenheit bei den Paaren." Und trotzdem ist, was Stefan Reuyß und Svenja Pfahl in einer Studie auchherausgefunden haben, ermutigend. Demnach verändern die Partnermonate unsere Kultur - wenn auch langsam - dahingehend, dass sie als Symbol gelten für einen Wunsch nach egalitäreren Geschlechterverhältnissen und stärkerer Beteiligung der Männer. Und das wirke in den Männern und in den Betrieben über die Elterngeldmonate hinaus, wie sich nun in ihren Interviews bereits bestätigte. Deshalb sind der Soziologe und seine Kollegin auch überzeugt: "Keine auf Freiwilligkeit setzende Initiative der Wirtschaft für mehr betriebliche Gleichstellung konnte in den letzten Jahrzehnten eine solche Wirkung entfalten." Aber die Männer brauchen noch mehr Unterstützung in den Betrieben. Und dann könne sich sogar "die Elterngeldphase als 'Türöffner' für eine stärker familienorientierte Arbeits(zeit)gestaltung von Vätern" erweisen.

 

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Nachzulesen, mit Zahlen und Studien, ist das hier:

"Das neue Elterngeld" - Erfahrungen und betriebliche Nutzungsbedingungen von Vätern
"Spielen ja, spülen nein"
"Bügeln ist nicht Papas Ding"