Cool Tour

Sia: Songs mit Sommerfeeling

Auch auf ihrem vierten Album "We Are Born" hört man Sia Furler an, dass sie ihre Laufbahn als Jazzsängerin begonnen hat: die Stimme der Australierin ist kräftig und charismatisch, für handelsübliches Chartfutter viel zu gut.

Und natürlich macht Sia keine Wischiwaschi-Musik, auch wenn "We Are Born" stellenweise recht mainstreamig geraten ist. Producer Greg Kurstin (Kylie Minogue, Britney Spears, Lily Allen) verwischt die Übergänge zur Musik anderer Sängerinnen manchmal ein bisschen zu sehr, so dass z.B. der Opener "The Fight" auch von einem Shakira-Album stammen könnte.

 

Das war's aber auch schon mit der Krittelei, denn Sias 13 neue Stücke - inklusive des gefühlvollen Madonna-Covers "Oh Father" - erfreuen Herz, Ohr und Hüfte. Viel stärker als noch bei ihrer letzten Platte "Some People Have Real Problems" zieht Sia ihre HörerInnen auf die Tanzfläche: Tracks wie "The Fight" und "You've Changed" sind auf dicke Beats gebaut, sehr funky mit Elektro- und House-Elementen.

 

Die Single "Clap Your Hands", "Never Gonna Leave Me" und "Stop Trying" dagegen sind fröhliche Sommer-Popsongs zum sofortigen Mitsingen, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Sias alte Fans werden die Ballade "I'm In Here" lieben, weil hier Sias Stimme wunderbar zur Geltung kommt. Und wer sich fragt, wer bei einigen Songs die coole Leadgitarre spielt: Strokes-Gitarrist Nick Valensi gibt sich bei einigen Songs die Ehre.

 

Überhaupt sind die geschickt eingestrickten Verweise auf Sias Lieblingsbands wie The Cure, Blondie oder Talking Heads interessant; fast unmerklich weht hier das Intro von Cures "Close to Me" herein, dort erinnert eine Basslinie an "Don't Get Me Wrong" von den Pretenders, und mit den Dancetracks wie "The Co Dependent" zieht Sia vor Elektro-Punk-Heroin Peaches den Hut.

 

Was bei anderen Sängerinnen schnell beliebig wirken kann, macht Sia auf humorvolle und versierte Art. Pop kann man heute nicht mehr neu erfinden. Man kann aber besonders schöne Platten machen wie Sia.

 

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Christina Mohr arbeitet beim Campus Verlag in Frankfurt. Nach Feierabend ist sie Musikredakteurin des Online-Kulturmagazins satt.org, rezensiert Platten und Bücher, gelegentlich auch für andere Websites wie melodiva.de, titel-magazin.de und Zeitschriften wie Missy Magazine. Der hier veröffentlichte Text erschien zuerst auf melodiva.de, wir danken ganz herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung! 

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