Starke Frauen

Simone de Beauvoir

Philosophin der Wende zwischen den Geschlechtern

Die französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir rebellierte gegen den Konformismus ihrer Zeit und ein erstickendes bürgerliches Reglement. Mit Jean-Paul Sartre entwarf sie eine neue Form der Beziehung zwischen Mann und Frau – basierend auf Vertrauen, Respekt und Freiheit. Eine innige Bindung mit Sylvie le Bon pflegte sie mit gleicher Intensität.

 

Vordenkerin

 

Das Ideal der Freiheit leitete ihr politisches und philosophisches Programm; die Trias Erkennen, Schreiben, Handeln bestimmte ihre Lebenspraxis. Die Frauenbewegung erhielt entscheidende Impulse von der Vordenkerin der Wende zwischen den Geschlechtern.

 

Simone de Beauvoir wird am 9. Januar 1908 in Paris als „Tochter aus gutem Hause“ geboren. Simones Vater ist Anwalt und begeistert sich für Literatur und Theater. Ihre Erziehung ist wie die ihrer jüngeren Schwester katholisch geprägt. Sie liebt die Ferien auf dem Lande, liest und schreibt viel. »Mit fünfzehn Jahren wünschte ich mir, dass die Leute eines Tages meine Biographie mit gerührter Neugier lesen würden. Diese Hoffnung war es, die in mir den Wunsch weckte, eine bekannte Autorin zu werden«

 

Beauvoir studiert Philosophie und Literatur an der Sorbonne und der renommierten Ecole Normale Supérieure (Elitehochschule für die Lehramtsfächer). Sie unterrichtet zehn Jahre lang Philosophie an Lyzeen in Marseille, Rouen und Paris. Zu Hause ist sie zeitlebens in Montparnasse und seit 1953 auch in Rom.

 

Der Durchbruch zur bekannten Autorin kommt mit "Sie kam und blieb" (1943) und "Das Blut der anderen" (1945). Beauvoir schreibt insgesamt sechs Romane, darunter das preisgekrönte Werk "Die Mandarins von Paris" (1955), Erzählungen, ein Drama, Essays zu Philosophie, Literatur, Politik und Gesellschaft sowie ihre Autobiographie in vier Bänden.

 

Eine Beziehung, geprägt von Freiheit und Vertrauen

 

In getrennten Wohnungen genießen Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre »die Vorteile des Lebens zu zweit und keine seiner Unannehmlichkeiten«. Freiheit und »vollständiges gegenseitiges Vertrauen« sind die Grundlage ihrer Beziehung. Einen Heiratsantrag ihres Gefährten lehnt sie ab.

 

Beauvoir und Sartre hatten eine Widerstandsgruppe gegen die Kollaboration gegründet und sich mit Gleichgesinnten verbündet. Daraus geht ihr erstes politisches Programm und die gleichnamige Bewegung „Sozialismus und Freiheit“ hervor. In der Folge lernen sie die bedeutendsten Köpfe Frankreichs kennen. Beauvoir und Sartre gründen 1945 zusammen mit anderen engagierten Intellektuellen "Les Temps Modernes", die wichtigste literarisch-politische Zeitschrift im Nachkriegsfrankreich.

 

Auf Einladung von Regierungen, als Gesandte der linksintellektuellen »Internationale« und auch privat unternimmt Beauvoir viele Reisen: Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Naher und Ferner Osten, die UdSSR und China. Zahlreiche Reportagen und Tagebücher entstehen. Die Autorin lässt sich weder privat noch politisch vereinnahmen. Immer dort, wo es um die Freiheit geht, handelt sie. Sie verteilt Flugblätter und verbotene Zeitungen, sie engagiert sich im Fall des Ungarn-Aufstands und für Algerien. Kuba wird einer Inspektion unterzogen.

 

Beauvoirs bahnbrechende Analyse

 

Und sie steht seit 1970 der neuen internationalen Frauenbewegung engagiert »zur Verfügung«. Beauvoirs Analyse der Realität von Frauen im Patriarchat ist bahnbrechend.  "Das andere Geschlecht" (1949, deutsch 1951) ist die Grundlage für die Weiterentwicklung der Frauenbewegung und gilt bis heute als Standardwerk. Das Buch wird ein Welterfolg.

 

“Auch Genossen sind Paschas. (...) Der Widerspruch Frau / Mann ist genauso wichtig wie jeder andere. Da steht immerhin die Hälfte der Menschheit gegen die andere Hälfte. Beide, Geschlechter- und Klassenwiderspruch, sind wichtig. (...) die Frauenbewegung muss eine Verbindung zwischen beiden finden," so Beauvoir in einem Interview mit Alice Schwarzer 1976. Damit ist sie Vorreiterin einer Entwicklung, in der inzwischen jede Freiheitsbewegung auch den Sexismus zu überwinden versucht.

 

Simone de Beauvoir, die bekannteste Intellektuelle ihres Landes, stirbt am 14. April 1986, vor 25 Jahren.

 


(Auf dem Foto in der Textmitte:

Simone de Beauvoir mit Che Guevara und Jean-Paul Sartre, in Kuba, 1960

Quelle: Wikipedia)

 

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Original-FemBiografie zu Simone de Beauvoir von Marion Kremer sowie umfassende Informationsquellen auf www.fembio.org , dem weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal von Professorin Luise F. Pusch

 

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