Weibchenschema

Sind Männer langweilig?

Selbstzweifel bringen das Leben in Bewegung – Männer aber reden lieber über Dinge, die feststehen: über Fußballergebnisse, Stau auf der A9 oder sich selbst. Schauerlich langweilig? Oder schlichtweg urkomisch?

Wenn Frauen reden, dann oft auch über ihre Schwächen. Damit zeigen sie, wer hinter der Fassade steckt, und das macht das Leben, Gespräche und Menschen interessant. Männer dagegen tun sich mit Selbstzweifeln eher schwer. Sagt Sabine Durrant. Die englische Journalistin hat einen Artikel in dem Magazin „More Intelligent Life“ veröffentlicht, in dem es um die Frage geht, warum Männern Konversation oft nicht liegt. „Sind Männer langweilig?“ fragt die Autorin provokativ. Und nach ihrer Meinung spricht einiges dafür:

Denn Männer neigten dazu, entweder gar nicht zu reden – oder eben richtig drauf los. Was heißen soll: Sie könnten ohne Rücksicht auf Verluste über Dinge reden, die sie selbst zwar interessant finden, alle anderen aber nur nervraubend bis tödlich. Insbesondere Frauen hätten hierunter zu leiden. Denn wie Sabine Durrant glaubt, sind sie einfach grundlegend anders gepolt: Sie liebten angeblich das ungezwungene Gespräch, suchten viel eher einen lockeren Austausch, ob in großer Partyrunde oder allein mit dem Partner unter vier Augen, ganz egal. Aber Pustekuchen: Wo das berüchtigte Kamel eher noch durch ein Nadelöhr geht als ein Mann auf Small-Talk ein, könnten Frauen nur auf Wunder(männer) hoffen.

So weit, so knietief im Klischee? Es sind noch nicht einmal die Klischees, die hier irritieren. Sabine Durrant bedient diese durchaus auch mit Witz und Verstand – aber dennoch so, dass nach dem wahren Kern gesucht wird und dubiose Botschaften hängen bleiben: Die Berufswelt sei schuld, so heißt es etwa. Sie fordere Männern heute Stärken ab, die im Privaten leicht zu Schwächen mutieren könnten. Man nehme etwa die Fähigkeit zu Konzentration und Hingabe an eine Aufgabe – beruflich brächten diese zwar voran, privat aber nur einen Tunnelblick und jede Menge männlicher Egozentrik mit sich.

Sollen Frauen sich deshalb nun glücklich schätzen? Dass sie zwar jobmäßig noch immer Männern hinterher hinken – dafür aber mit hohem Unterhaltungswert? Das wäre ja wohl ein merkwürdiges Fazit. Und wie der Popkritiker Marcus Berkmann zu verstehen gibt, eines, das an der Wirklichkeit vorbei zielt, zumal einer männlichen. Denn in dieser sind die Dinge natürlich noch einmal so viel profaner, als Frauen sich überhaupt ausmalen mögen. „Ja, wir sind ein bisschen langweilig“, so bekennt Marcus Berkmann in Reaktion auf Durrant. Aber das sei auch nicht weiter schlimm. Schließlich wüssten Männer mit dem Problem ja umzugehen, ein bisschen so, wie mit dem guten Autofahrer, der bekanntlich in jedem Manne steckt: „Jeder Mann glaubt, dass er ein bemerkenswert guter Fahrer ist; das Problem sind immer nur all die anderen Idioten im Straßenverkehr.“

Männer langweilig? Ach, wo. Selbstüberschätzung ist nicht per se langweilig, sondern hat manchmal auch sehr viel Komik.