Cool Tour

Sind Sie Selbstdenker?

Oder lassen Sie lieber andere für sich denken? Wie Vince Ebert findet, wäre das zwar keine Todsünde – aber doch auf Dauer nicht die Lösung. Seit zehn Jahren steht der Kabarettist nun schon auf der Bühne, um mit dem nervigen Halbwissen, das unsere Köpfe regiert, clevere Späße zu treiben: Warum ist Quantenmechanik keine Fußmassage? Und was denken Verliebte – wenn sie überhaupt denken?

Es gibt Dinge, die lassen sich erklären. Und andere, die bleiben einem ein Rätsel. Selbst Vince Ebert weiß nicht auf alle Fragen, die er dem Publikum vorsetzt, eine Antwort. Kaum nachvollziehbar findet er etwa, dass Babys schon denken können, lange bevor sie zu sprechen beginnen – und so viele Erwachsene aber nicht!?

Vince Eberts aktuelles Programm steht unter dem Motto „Denken Sie selbst!“ und ist ein Plädoyer, doch öfter mal den Kopf einzuschalten. Mag sein, dass gesünder lebt, wer sich keinen Stress macht und den Ball intellektuell lieber flach hält. Aber an populären Halbwahrheiten ist unser Alltag schon reich genug. Und deshalb, so meint der Komiker, könne es auch gar nicht schaden, wenigstens hin und wieder zu überprüfen, ob unsere Vorstellung von der Welt eigentlich mit der Wirklichkeit übereinstimmt. 

Was sogar Spaß machen kann. Das zeigen die Auftritte, mit denen Vince Ebert sich längst seine ganz eigene Nische als Kabarettist erobert hat: Ebert studierte zunächst Physik und fand erst nach dem Diplom zur Bühne. Auf dieser versucht er nun zu vermitteln, dass auch die Wissenschaft höchst amüsante Seiten hat. Oder glauben Sie etwa alles, was amerikanische Studien mal wieder zu 99,9 Prozent sicher herausgefunden haben? 

Sie sollten es besser nicht tun. So lautet die Devise, mit der Vince Ebert uns seine Plaudereien auftischt, in denen es um Denkfallen und Denkfehler geht, in die wir immer mal wieder munter tappen. Rotieren Frauen anders als Männer, wie die Hirnforschung behauptet? Und hat diese immer Recht – oder auch hirnlose Seiten? Und wer bitte kann erklären, warum Lebewesen so unterschiedlich ticken, dass die einen ihre Synapsen und Neuronen dazu nutzen, die Brandenburgischen Konzerte zu komponieren – und die anderen Songs wie „Cherry, Cherry Lady“

Fragen über Fragen. Und sie alle lassen ahnen, dass Vince Ebert nicht falsch liegt, wenn er kritisiert: In Redaktionen, Sendern und unseren Freizeitplänen wird noch immer viel zu sehr und etwas „idiotisch“ nach „E“ und „U“ unterschieden – nach ernsthafter Kultur und Unterhaltungskiste. Um auch hiergegen unsere grauen Zellen in Schwung zu bringen, hat Vince Ebert nun Ausschnitte seines neuen Programms auf eine CD gebracht, die gerade als Hörbuch erschienen ist. Eckart von Hirschhausen, Naturwissenschaftler und Stand-Up-Comedian in einem wie Ebert, ist auf dieser CD übrigens auch mit einem Gastbeitrag zu hören. Ein Grund mehr, einfach mal einen Abend sich frei zu nehmen, um die eigene Halbbildung gegen ein sympathisches Dreiviertelwissen auszutauschen.