Weibchenschema

Singlefrauen auf der Pirsch

Ob „Dating down“ oder „Smart Man Hunting“ – Es boomt an gutgemeinten Tipps für die scheinbar einsame Akademikerin

Da sind sie klug, beruflich erfolgreich und doch allein zu Haus. Dass Karrierefrauen keinen Mann abkriegen, ist ein viel gehörtes Klischee. Und die Erklärungen, die dafür herhalten müssen, sind nicht weniger abgedroschen. Das Dumme ist nur – die neuesten Studien bestätigen genau dies. Was nun?

 

Fakt ist: Gut verdienende und gebildete Frauen haben es schwerer, einen Partner zu finden. Also, was machen sie falsch? Die junge Frau von heute lernt fleissig, stürzt sich mit Verve in den Beruf, doch vergisst darüber das Jagen. Wenn sie dann den ersten Karriereschritt bewältigt hat und sie zum Durchatmen kommt, erinnert sie sich daran, dass sie eigentlich mehr will als nur einen Beruf – zum Beispiel auch einen Partner, mit dem sie die guten und die schlechten Zeiten teilen mag. Doch der ist plötzlich nicht mehr leicht zu bekommen. Nicht etwa, weil sie mittlerweile schon 30 Jahre oder älter ist und der Partnerpool von anderen leer gefischt ist. Nein, vielmehr ist die Zahl der potentiell in Frage kommenden Partner durch ihren eigenen Bildungsgrad geschrumpft. Das heißt, wenn Frauen studiert haben, wird die Luft nicht nur im Job, sondern auch auf dem Heiratsmarkt dünner. Weil „Frauen immer noch oben heiraten wollen, also an einem gutgebildeten und -verdienenden Mann interessiert sind“, wie es der Soziologe Hans-Peter Blossfeld formuliert.

 

Der Grund, so sagt uns der Psychotherapeut Stefan Woinoff, liegt im „falschen Beuteschema“. Frauen schauten bei der Partnerwahl auf Status, Männer aufs Aussehen. Ja, das Erklärungsmuster ist tatsächlich so einfach – ob es uns gefällt oder nicht.

 

Wir sollten das Beuteschema überlisten, so Woinoffs Rat, und uns nach Männern mit schlechteren beruflichen Stellungen umschauen – „Dating Down“ eben. Doch so romantisch die Vorstellung „Staatsanwältin heiratet Bäcker“ ist, klingt sie doch stark nach dem Titel einer neuen Doku-Soap und ist offenbar auch nicht sonderlich realistisch. Denn es funktioniert nicht, weiß Single-Expertin Claudia Wartusch-Dieter. Weil unsere Biologie anders tickt. Auch US-Forscher Peter Todd von der Universität Bloomington bestätigt: Das alte Klischee stimmt nun mal: Frauen suchen nach der starken Schulter eines versorgenden Adams, Männer wünschen sich eine fürsorgliche und attraktive Eva, bei der sie sich als Beschützer gebärden können. Das könnte auch erklären, warum es in der Regel gut geht, wenn Männer sich an Frauen binden, die eine geringere Bildung haben, der umgekehrte Fall aber absolute Seltenheit hat.

 

Weiterer Fehler, den die Expertin Wartusch-Dieter den Frauen ankreidet: Die heutige Single-Frau agiere wie ein modernes Dornröschen. D.h. Sie sei zu passiv und warte bis der Traumprinz vorbei reitet. Speed-Dating-Börsen und Partneragenturen verdienen prächtig daran.

 

Na prima. Was wir hier wieder durch die Blume aufgetischt bekommen lautet: Die Frau ist selbst schuld – wenn sie sich denn unbedingt selbst verwirklichen will. Und so rächt sich scheinbar ihr Karrierestreben darin, dass sie nun keinen „abkriegt“. Haben wir das nicht schon zur Genüge gehört? Und fördert das nicht auch noch unnötig die Häme – die Frauen, die ihrem Schatz zu Hause ein warmes wohliges Heim zurecht machen, können somit triumphierend auf die erfolgreiche Singlefrau blicken. Nein, so kommen wir nicht weiter.

 

Also, bleiben wir mal lieber optimistisch. Es ist an der Zeit, vom Trübsalblasen Abschied zu nehmen. Eben das Positive in dem zu sehen, was wir haben. Und manche haben durchaus schon Abschied genommen von der Mär von der unglücklichen, einsamen Singlefrau – das bestätigt eine neue Studie. Anscheinend macht so mancher Single-Frau ihr Single-Dasein gar nichts aus. Sondern im Gegenteil: Sie richtet es sich ganz gemütlich ein – mit Freunden, Hobbies und der Freiheit, ihre eigenen Ecken und Kanten zu leben, ohne Rücksicht auf einen Partner oder Mitbewohner nehmen zu müssen. Wer Single ist, muss nicht zwangsläufig einsam sein.

 

Letztendlich machen alle denselben Fehler – ob nun Hausfrau, berufstätige Mutter, kinderlose Karrierefrau oder Single. Die Nur-Mutter neidet der Karrierefrau ihren beruflichen Erfolg, die berufstätige Alleinstehende der Hausfrau ihr Familienleben. Statt uns an dem zu erfreuen, was wir haben, sehen wir gerne nur das, was uns fehlt. Wir schielen auf den Nachbarn, die Freundin, den Unbekannten und wünschen uns das, was diese scheinbar Besseres haben. Getreu dem Motto: The grass is always greener on the other side.

 

Für die beruflich Erfolgreiche, die sich einen Partner an ihrer Seite wünscht, hat Claudia Wartusch-Dieter doch noch einen Rat: Sie solle sich nicht auf die statushöheren Männer festbeißen und stattdessen hinter die ökonomische Fassade schauen. Entscheidend sei nicht, dass der Mann gleich viel verdient und – gemessen in Karriereleiter, Dienstgrad und Titel – ähnlich erfolgreich ist im Job, sondern dass er sich erfolgreich „fühlt“ in dem, was er tut, und sich stark engagiert in seiner Arbeit – völlig unabhängig davon was es ist.

 

Das heißt nicht mehr und nicht weniger, dass wir besser nicht nach Äußerlichkeiten schauen, sondern nach der inneren Stärke eines Menschen. Hatten wir das nicht schon? Eine Binsenweisheit obendrein? Ja, genau. Denn das sollten wir ohnehin alle tun. Und einer selbstbewußten Frau ist es am Ende des Tages schnurz, ob das nun „Dating down“ heißt oder „Smart men hunting“.