Anderswo

So Frauensachen

Lisa Ortgies ist wieder auf Sendung: Viele Jahre moderierte sie bereits im WDR das Magazin "frauTV" – ein Format, das auch in den nächsten 30 Jahren um Themen nicht verlegen sein wird, wie die Journalistin glaubt. In einem Interview sprach sie gerade über Frauenmedien heute und Männer, die am Kiosk (leider) in die Röhre gucken.

 „Wenn ich sehe, was für Männer am Kiosk zu haben ist, werde ich melancholisch. Männermagazine machen den gleichen Quatsch wie die meisten Frauenzeitschriften“, erklärte Lisa Ortgies in einem Interview mit der „Osnabrücker Zeitung“.


Dabei hätten selbst weniger innovative Themen wie Schönheit und Anziehungskräfte zwischen Mann und Frau ein sehr großes Potential, einmal anders besetzt zu werden – als nur mit Sixpacks und Oberschenkel-Trainingsstunden. Doch: „Es herrscht große Ideenlosigkeit bei den Blattmachern“, sagte die TV-Journalistin, die mit ihrer Sendung schon lange mehr wagt.


Lisa Ortgies feiert gerade ein Comeback: In der vergangenen Woche kehrte sie zu „frau TV“ und an den Arbeitsplatz zurück, den sie 2008 für einen Wechsel zum Magazin der „EMMA“ aufgeben musste. Als neue Chefredakteurin des Blattes von Alice Schwarzer warf sie allerdings schnell wieder das Tuch, als ihr Versuch, frischen Wind in die Segel dieses  feministischen Trawlers zu pusten, auf starken Gegenwind stieß. Die Herausforderung endete schließlich im bösen Zerwürfnis mit der Herausgeberin der „EMMA“ – noch heute möchten viele wissen, warum genau.  


Verständlich, dass hier nun also wieder in Interviews überall nachgefragt wurde – und erholsam dennoch, dass Daniel Benedict in der „Osnabrücker Zeitung“ viele andere klugen Fragen stellte: Der Journalist sprach nämlich mit der TV-Moderatorin über Frauenmedien heute, ihre Konzepte, Perspektiven und eventuellen Irrtümer. Ob Formate wie “Mona Lisa oder „frauTV“ und Blätter wie die „Brigitte“ und das neue „Missy Magazine“ sich nicht überflüssig machten, wo ihre Themen längst schon große Aufmacher im Mainstream der Medien auch seien?


„Wenn ich sehe, wie schnell sich die Familienpolitik bewegt und die Gesellschaft hinterherhinkt – offen gestanden vor allem die Männer – dann würde ich mal ganz frech schätzen: Wir haben noch locker dreißig Jahre ausreichend Themen“, antwortete Lisa Ortgies. 


Allerdings fände sie es heute unsinnig, an frauenrelevante Themen nach wie vor nur Frauen heranzulassen, wie manche Redaktionen es machen: „Als Konzept ist das totaler Quatsch. Man sollte sich mal angucken, wer in den großen Medien die feministischen Themen behandelt. Da sind doch mittlerweile einige Männer dabei. Nach Geschlecht geht es nicht mehr. Das ist gestrig“.


Und nicht zu vergessen: Unter den Zuschauern von „frauTV“ sind zu einem Drittel längst auch schon Männer zu finden. Offensichtlich sind auch die interessiert an einem anderen Blick auf Lebensmodelle und Rollenmuster heute. Wäre doch mal eine Idee: Ein Männerformat, das selbst Frauen mitgucken können – ohne ins nächstbeste Neandertal zu starren.

Das Interview, das Daniel Benedict für die „Osnabrücker Zeitung“ mit Lisa Ortgies führte, ist in der Printausgabe am 26.02.2009 unter dem Titel „Debatte statt Meinung“ erschienen und leider nurmehr über das Online-Archiv der Zeitung zu finden.