Männerecke

Speck-Pfannkuchen

Da versucht sie sich einmal an Speck-Pfannkuchen – schon springt der Rauchmelder an und macht einen Riesenaufstand, als stünde die ganze beschissene Welt in Flammen.

„Mann, ist das verräuchert hier!“ Ich reiß die Fenster auf.
„Ja, aber der muss doch knusprig werden..!“ ruft sie.
„Was..? Der Pfannkuchen?“
„Der Speck! Und jetzt schiess den Schreihals endlich ab!“

Ich schnapp mir den Besen, mit dem ich sonst Gus, dem Altpunk, über uns klarmache, dass man Sham 69 auch unter zehntausend Dezibel hören kann, und versuche, den Rauchmelder ruhig zu klopfen, klappt aber nicht.

Das Ding macht seinen Dauerton einfach weiter, als würde eine heiße Tasse Suppe unter der Decke kleben, auf der Falsett-Augen schwimmen und schreien und wimmern..!
Das ist Krieg!
KRIEG IST DAS!
INFERNO!
ICH WERD BEKLOPPT!

Was hatte der Monteur beim Anbringen der Funk-Rauchmelder für den Home-Security-Bereich unter den diversen Zimmerdecken noch lässig versprochen? Das wäre doch überhaupt kein Problem, KEIN THEMA, das mit dem Abstellen der Sirene. „Einfach mit dem Besen drunter geklopft, stellt sich das Piepen von alleine ab.“

Ja, genau. Das Piepen. Als würde ein hübsch Vögelchen unter der Decke sitzen und singen. JA, SCHEISSE! Erst nach dem dreißigsten Drunterkloppen mit dem Besen liegt das Funkding endlich unten auf dem Boden und hält die Fresse. „Hm, so war das aber nicht gemeint“, meint die Gräfin, als sie die Bescherung sieht. „Oder?“

Während die Suppe unter der Decke brodelte und wimmerte, lief Frau Moll verwirrt von einem Zimmer ins andere, stoppte, wenn sie am Staubsauger vorbei kam, ihrem Todfeind, um vorsichtig daran zu schnuppern, ob er vielleicht mit dem Alarm zu tun haben könnte, doch bei aller Verwirrung: Sie kläffte nicht, kein Wimmern, kein Gebelle, nichts.

Nein, die Dame behielt ihre Würde.

Eigentlich verliert unser Hund sein Gesicht nur, wenn es ums Fressen geht.
Dann aber auf ganzer Linie. „ZIEH NICH SO'N GESICHT!“ hab ich Frau Moll schon mal rüde abgekanzelt. „DU HAST KEINS!“

War ja nur Spaß.
So 'ne Art Spaß.
So wie 'ne Art Büro.

Ich meine, ich sehe es nicht ein, mit einem Hund anders zu reden als mit einem Kollegen, der 'ne Menge Haare am Rücken hat.

So lecker die Gräfin sonst auch kocht und so lecker ich sonst auch davon esse, Reibekuchen und Pfannkuchen sind ihre Achillesferse.

„Das liegt am Öl“, verteidigt sie sich. „Ich vergesse immer, irgendein stinknormales neutrales Öl zu kaufen, das nach nichts schmeckt.“ So musste sie mit Bio-Rapsöl vorlieb nehmen, das ähnlich wie Leinöl schmeckt, und wer Leinöl kennt, der weiß, es hinterlässt einen Geschmack, als kaue man auf einem Ölbild herum, das noch auf der Staffelei steht und vor sich hin tropft.

„Vielleicht war auch einfach zu viel Öl in der Pfanne..?“
Sie goss etwas ab, in ein Glas. Halbe Stunde später, als sie vom vielen Qualm Durst bekam, sah sie das Glas, dachte: Ah, Wasser! und nahm versehentlich einen beherzten Schluck.

„Teufel! Für einen Moment hatte ich Speiseöl für ein ganzes Jahr im Hals!“

Nachdem der Dampf verzogen war, alle Fenster wieder geschlossen und die Feuerwehr weg, gab es noch einen schönen Apfel-Pfannkuchen mit holländischem Zimt. Und der letzte verbliebene Rauchmelder schlug auch nicht an.

 

.......................................................................................................................................................................

Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog „500Beine“ über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“. 

.........................................................................................................................................................................