Cool Tour

Spreefalter

Musik zum Niederknien und eine Stimme, die verzaubert.

Von: Verena Manhart, Fotos: Ivell

vom 05.03.07

Das Internet verändere die Musikindustrie, heisst es nicht umsonst. Wie wahr, denn ein Musik-Appetizer auf der Internetseite der Berliner Band SPREEFALTER war Schuld daran, dass die Neugier so groß wurde, dass ich mehr davon wollte. Wie günstig, dass schon bald darauf ein Gratis-Konzert der Gruppe in der Passionskirche am Marheinekeplatz in Berlin-Kreuzberg stattfinden sollte: Ein gut gefüllter Kirchenraum als ein ungewöhnlicher Ort für außergewöhnliche Musik.


Die Sängerin Suzanna in ihrem 20erJahre-Kleid mit Glitzerschal und einer divenhaften Ausstrahlung sang mit ihrer warmen und tiefen Stimme kräftig gegen die klangvolle Musik ihrer Kollegen an, ließ dabei aber vor allem dem Klarinettisten an ihrer Seite – Jan Hermerschmidt – genug Raum zur Entfaltung. Es war ein absolut akustisches Highlight, das Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Bass und Gesang da hervorbrachten! Die Klänge breiteten sich einnehmend im Kirchenraum aus und umschlossen die Zuhörer von allen Seiten.


Dann und wann ging die Sängerin von der Bühne und ließ ihre Jungs mit den Instrumenten alleine. Eine gute Gelegenheit sich die Vollblutmusiker ohne Ablenkung durch ihre dominante und raumeinnehmende Frontfrau genauer anzusehen. Besondere Aufmerksamkeit kam neben dem Klarinettisten vor allem dem Schlagzeuger Mareck zu, der sich nicht davon abhalten ließ, sogar seine Stuhllehne musikalisch zu bearbeiten.


Es war ein ganz besonderes Konzert einer besonderen Band, die stilistisch schwer zu beschreiben ist und – zum Glück! – so gar nicht in irgendeine Musikschublade gesteckt werden kann. Die Sängerin erinnert ein wenig an Marlene Dietrich, wegen der dunklen Stimme und des einnehmenden Wesens, aber da hören die Vergleiche auch schon wieder auf. Die Texte (bis auf einige Ausnahmen bei ihren drei Zugabe-Songs) waren auf Deutsch und so wunderschön heiter-melancholisch-zynisch, dass auch hier eine passende Beschreibung fehl am Platze wäre.


Textkostprobe aus „Gebranntes Kind“:


„....

Er gab und fing bald zu zählen an/

jedes Dankeswort, jeden Lohn/

und weil nichts mehr von Herzen kam/

war alles nur Investition.


Er trat, wie man nur treten kann/

seine eigene Hoffnung zu Staub/

tat genau, wie man ihm getan/

und hatte sich selber beraubt.


Er liebte, wie man nur lieben kann/

hoffte und gab sich hin/

hat alles in einen Tresor getan/

dort wartet es sicher auf ihn.“


Es ist schön zu sehen, dass zwischen allem Einheitsgedudel solch ein Schmuckstück zu finden ist!

Prädikat: besonders wertvoll, unbedingt live ansehen!


Nächste Termine:


Sa. 10.03.2007, 20 Uhr: Osterkirche, Samoastraße 14, 13353 Berlin

So. 01.04.2007, 21 Uhr: Kulturfabrik, Lehrter Str.35, 10557 Berlin (Eintritt 6€, erm. 4€)