Cool Tour

Sternstunde für MATHILDA

Erst stand sie im Publikum – nun steht sie neben dem Verstärker. Im Herbst erscheint das neue Album der Berliner Band MATHILDA, mit Loretta Stern am Mikrofon. Die Schauspielerin und Moderatorin ließ sich vom Chansonpop aus der Feder Florian Balds den Kopf verdrehen. Im Interview verrät sie nun, wie es zum Bandeinstieg kam – und was das alles mit Dessous zu tun hat.

Loretta Stern, Sie sind gerade dabei, eine Platte aufzunehmen: Ab Herbst wird man Sie als neue Sängerin der Berliner Band „Mathilda“ hören. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Ich las, eine Drohung, mit BHs zu werfen, soll nachgeholfen haben – die übliche Gerüchteküche nur?

Mitnichten. Ich habe Florian Bald da an einem sensiblen Punkt erwischt – er hasst es, wenn ihm auf der Bühne BH’s der falschen Marke um die Ohren fliegen?!? Es handelt sich bei meiner Mathilda-Story tatsächlich um einen klassischen Kleinmädchentraum: Ich habe die Band beim Herumstöbern im Plattenladen entdeckt, wurde großer Fan (gut, ich ging nicht soweit, mir Poster an die Wand zu hängen....aber fast!!) und schrieb ins Gästebuch der Mathilda-Homepage, dass ich von nun an eine große Verehrerin der Kapelle sei und ergo nach altkaiserlicher Fan-Sitte bei Konzerten BH’s werfen würde. Ich denke aber, es lag eher an der zeitlich einhergehenden Vakanz am Mikrophon als an Florians Angst vor Discounter-Dessous, dass ich letztendlich Bandmitglied wurde....

Auf dem letzten Album war es Annika Maur, die „Mathilda“ zu einer wunderbaren Stimme verhalf. Auch Annika Maur ist Schauspielerin, genau wie Sie. Ein Zufall – oder die beste Voraussetzung für den Posten?

Ach, ich pauschalisiere wirklich ungern. Ich glaube, es liegt einfach am jeweiligen Menschen und dessen musikalischen Mitteilungsbedürfnissen. Allerdings kann man natürlich gerade beim Chanson auf Performance-Handwerk dankend zurückgreifen, das man in der Schauspielausbildung erlernt hat – darstellerisches und sprachlich. Wobei man aber auch immer aufpassen muss, dass man nicht zu tief in die Pathos-Kiste greift!


Sie haben zunächst als Moderatorin für die Jugendsendung „Bravo TV“ begonnen, Medienluft zu schnuppern. Ab 2003 standen Sie dann für Arte vor der Kamera und führten durch die Filmfestspiele in Cannes und Berlin. Sie haben zahlreiche Filme und Fernsehsendungen gedreht, und ganz nebenbei gelten Sie auch noch als Sprachtalent, weil Sie Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch fließend beherrschen – so heißt es jedenfalls. Fragen Sie sich eigentlich manchmal selbst, wie es sein kann, dass Sie Ihren kommenden Geburtstag... nicht schon vor Jahren hinter sich gebracht haben?

Huch? Nein, eher frage ich mich, wie der so schnell am Horizont erscheinen konnte – ich habe doch gefühlt eben erst meinen Führerschein gemacht?!?!?
In der Tat liebe ich es, auf möglichst vielen verschiedenen Hochzeiten in möglichst vielen eigenartigen Schrittfolgen zu tanzen... solange ich für mich das Gefühl habe, der Aufgabe einigermaßen gewachsen zu sein und etwas von mir einbringen zu können. Und Sprachen jedweder Art, überhaupt die Möglichkeit, international kommunizieren zu können, ist und sind meine Steckenpferde-Herde.

„Hochzeit“ ist ein schönes Stichwort: Sie haben gerade geheiratet – wie um alles in der Welt fanden Sie dafür Zeit? Ich meine, wo Sie doch alles andere auch schon und gleichzeitig machen...

In der Tat mussten mein ebenfalls freischaffender Mann und ich unsere Hochzeit relativ generalstabsmäßig planen, damit wir in unseren wenigen freien Zeitfenstern alles so vorbereiten konnten, wie wir uns das schon seit längerem imaginierten – das haben wir wirklich hundertprozentig geschafft und sind sehr zufrieden mit uns. Ich bin aber tatsächlich auch generell ein großer Fan von generalstabsmäßiger Planung, was meinen Mann wiederum nicht immer erfreut!

Im Grunde ist ja „Miss Tilly“ nicht das Magazin für die ausgiebige Brautkleid-Story … dennoch die Frage: Kennen sie eigentlich Großmutters Weisheit, die besagt, dass ein verregneter Hochzeitstag reichen Kindersegen bringt? Was hat jemand zu befürchten, dem auf dem Weg zur Kirche ein Wasserrohrbruch in die Quere kommt …?

Die Weisheit kannte ich nicht, aber da ich gerne positive Sichtweisen adaptiere, werte ich ab jetzt tatsächlich die AVUS-Überschwemmung als Regen von unten... Als wir auf dem Weg zur Kirche erfuhren, dass nicht nur die komplette AVUS gesperrt, sondern auch der Bus mit unseren Gästen im Stau verloren gegangen war, konnte ich das nicht gleich und ohne weiteres positiv werten. Am Ende kamen wir allerdings nur 23 Minuten zu spät, und unsere Gäste waren auch noch vor uns da!

Sie haben einmal gemeint, Sie seien ein „ausgesprochener Listenmensch“. Was listen Sie denn so in ihrem Leben am liebsten auf?

Alles!! Von benötigten Einkaufsgütern bis zum Pro und Kontra von wohlüberlegten Bauchentscheidungen!

„Mathilda“ ist nicht Ihr erstes und einziges Musikprojekt. Zusammen mit Clemens Süßenbach gründeten Sie 2002 etwa schon das Duo „Stern & Süßenbach“ und eroberten sich ein Repertoire aus der Jazz- und Unterhaltungsmusik der fünfziger und sechziger Jahre. Was hat Sie daran gereizt, nun bei „Mathilda“ einzusteigen?

Ganz klar: Florian Balds wunderbar poetische, anrührende und an vielen Stellen im Werk ausgesprochen erheiternde Musik!!

Und wie hat sich die Band, die Florian Bald als Gitarrist und Songschreiber seit 2003 um sich schart, verändert, durch Ihren Einstieg als Sängerin? Was darf man für den Herbst und von dem neuen Album erwarten?

So spontan in Worte fassen kann ich das noch gar nicht. Wir sind ja noch mitten im Entstehungsprozess, also viel im Probenraum, um unseren neuen Klang zu finden!
Generell würde ich behaupten, dass wir ein bisschen gitarrenlastiger und lauter werden, aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass ich zu nah an Florian und seinem Verstärker stehe...

Und nun noch einmal zu Ihrer Website, die ja ein Abenteuer für sich ist – aber höchstens augenzwinkernd etwas über Loretta Stern preisgibt. Stecken Sie eigentlich lieber in einer Rolle, als mit Haut und Haar nur in einer Person?

Ich will Ihnen mal etwas verraten – für mich, die ich im Herzen sehr, sehr öffentlichkeitsscheu und auch etwas paranoid bin, was meine Privatsphäre angeht, ist diese meine Heimseite das ehrlichste, was ich bisher auf so endgültig entschiedene Weise von mir preisgegeben habe! Jetzt werden Sie bestimmt nachdenklich, schürzen ein wenig die Brauen und gucken sich das noch mal alles an, oder? Bitte sehr: Willkommen in meiner eigenartigen Welt!!