Anderswo

Die beste aller Mommys

Nein, auch Ayelet Waldman liebt ihre Kinder. Doch seit sie einmal schrieb, sie liebe ihren Mann sogar noch mehr als diese, gilt die US-Autorin als schlimme Rabenmutter. Nun ist „Bad Mother“ erschienen und möchte mit dem bösen Mythos aufräumen: Aeyelt Waldman beschreibt in diesem Buch, was ihr an einer Erziehungskultur so suspekt ist, in der das höchste aller Gefühle nur „Mommy & Me“ heißen darf.

„Wenn eine gute Mutter nur eine ist, die ihr Kind mehr als jede andere Person in der Welt liebt, dann bin ich keine gute Mutter. Ich bin sogar eine schlechte Mutter. Ich liebe nämlich meinen Mann mehr als meine Kinder.“ Diese wenigen Worte genügten, um einen Sturm der Entrüstung auszulösen. Ayelet Waldman veröffentlichte sie im März 2005 in einer Kolumne in der „New York Times“ – und danach war ihr Image als Mutter zunächst völlig im Eimer. 

Die US-Autorin, die mit dem Schriftsteller Michael Chabon verheiratet ist und vier Kinder hat, bekam unzählige Hass-Mails, in denen die Leute ihr sogar drohten: Sie wollten das Jugendamt einschalten, um zu veranlassen, dass ihr die Kinder weggenommen werden. „Ich glaube, wir Mütter sind so geplagt von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, dass wir uns besser fühlen, wenn wir andere Mütter abmahnen können,“ so erklärt Ayelet Waldman, die meint: Es seien nicht zuletzt Frauen, die zu so rigorosen Reaktionen neigten, wenn eine andere es einmal wagt, am großen Mythos zu kratzen – an einem Bild von Mutterliebe als unfehlbare und unteilbare. 

In den USA ist nun das Buch „Bad Mother“ erschienen, das hiergegen neuen Zündstoff liefert: Ayelet Waldman analysiert darin gewitzt und klug, wie in unserer Öffentlichkeit immer noch Versagensängste von Müttern geschürt werden, um so viele Frauen in ihrem Ehrgeiz auf einen Tellerrand von Kind und Küche fixiert zu halten. Ein Programm, das übrigens auch bestens ablenken könne – etwa von einer Politik, in der Präsident George W. Bush lächelnd gegen ein Gesetz votieren darf, das vier Millionen Kindern, die nicht krankenversichert sind, in Amerika gesundheitlich eine bessere Zukunft hätte bringen können. Aber nein: Britney Spears und die schlechte Figur als Mama, die sie unentwegt macht, regt mehr auf.

Gerade hat Ayelet Waldman nun auch mit dem „Spiegel“ über ihr neues Buch gesprochen. Ein Interview, das sehr lesenwert ist – und nebenbei auch verrät, mit welcher Widmung das Buch kürzlich Michelle Obama persönlich überreicht wurde. Nein, da steht nicht: „Yes, we can“. Da steht, mal wieder sehr streitbar und also typisch für die Autorin, die diese Worte an die perfekte neue Mama im Weißen Haus schrieb: „Danke, dass Sie uns alle so schlecht aussehen lassen.“

 

Hier ein Auszug aus dem Interview, das Patricia Dreyer führte:

 

„SPIEGEL ONLINE: (...) In Ihrem neuen Buch „Bad Mother“ behaupten Sie, vor allem Frauen seien von der Idee besessen, in der Elternrolle zu versagen. Warum gerade Frauen?

Waldman: Frauen verlangen mehr von sich als Väter, weil sie auf den Mythos der „guten Mutter“ fixiert sind und perfekt sein wollen.

SPIEGEL ONLINE: Männer dagegen müssen, wie Sie sagen, nur pünktlich zur Schulaufführung erscheinen, um als „gute Väter“ zu gelten. Warum messen wir im 21. Jahrhundert immer noch mit zweierlei Maß?

Waldman: Ich glaube, in dieser Hinsicht hat sich die Gesellschaft nicht nur nicht zum Positiven verändert, es ist sogar schlimmer geworden. Frauen meiner Generation ...“

 

Das ganze Interview finden Sie, wenn Sie hierhin klicken