Fürs Auge

Stille Bilder, großes Echo – der schottische Maler Peter Doig

Bekannter noch als seine Werke ist der Preis, der für diese gezahlt wird: Einst Randfigur der jungen britischen Kunstszene, gehört Peter Doig heute zu den großen Malerstars, für die Sammler gerne auch mal Rekordsummen hinlegen. Eine Retrospektive in Frankfurt gibt nun einen Überblick über das Schaffen des Künstlers in den letzten zwanzig Jahren.

Den Kunstbetrieb aufzurütteln, hatte er nie im Sinn. Peter Doig malte lieber stille Landschaften, während andere „Young British Artists“ in den 1990er Jahren den Aufstand probten. Der „letzte Schrei“ aber, der damals von dieser „wilden“ neuen Szene ausging, ist heute schon etwas verhallt – da gilt er plötzlich als der Mann, der für Paukenschläge sorgt: Im vergangenen Jahr ersteigerte ein Sammler ein Bild Doigs für bemerkenswerte 7.6 Millionen Euro, so teuer ist ansonsten und höchstens noch ein Gerhard Richter.

Peter Doig wurde 1959 in Edingburgh geboren, verbrachte aber den Großteil seiner Kindheit in Kanada und auf Trinidad. Auch heute lebt der Künstler wieder auf der Karibikinsel, nachdem er über 20 Jahre in London verbrachte, wo er zunächst Malerei studierte und später dann allmählich zu dem traumartigen Realismus fand, der seine Bilder heute prägt.

Auf diesen Bildern zu entdecken sind meist gefrorene Seen oder offene Winterlandschaften, karge Wiesen oder andere Weiten, in denen Menschen und Häuser stets etwas verloren wirken. Ein Motiv, das zu den bekanntesten gehört, ist das Kanu, das seit 1990 durch die Bildwelten des schottischen Malers geistert. Oft treibt es auf unheimlichen Gewässern dahin und sorgt für mulmige Stimmungen. Wenig überraschend: Auf dieses Motiv stieß der Künstler zu allererst in einem Horrorstreifen, dem Angstklassiker „Freitag der 13te“ nämlich. „White Canoe“ – so lautete übrigens auch der Titel des Bildes, das 2007 bei Sotheby's zu erwähntem Rekordpreis den Besitzer wechselte.

Manche meinen, es sei die Farbe, die Peter Doigs Arbeiten heute so einzigartig mache. Sie stimme nie so richtig, oft wirke sie eine Spur zu alarmiert – so als traue sie dem Zauber nicht, der von den Bildern ja auch ausgehen kann. Doch Peter Doig arbeitet ganz bewusst dagegen an, dass hier Romantik, Idylle und Naturverklärung die Überhand gewinnen. „Es gibt ja nur eine dünne Linie, zwischen dem, was Kitsch ist, und dem, was darüber hinausgeht“, erklärte er einst in einem Interview, in dem er gefragt wurde, worin denn nun der Unterschied liege – zwischen einer Weihnachtspostkarte zum Beispiel und dem, was Kunst schafft.

Wie es scheint, liegt dieser Unterschied jedenfalls nicht in den Quellen, in denen nach Anregung gesucht wird: Peter Doig holt sich Anstöße nahezu wahllos von überall her, aus der Kunstgeschichte, Filmstills oder Zeitschriften, von Reiseprospekten oder auch mal via Ansichtskarte. Was dabei entsteht, erinnert viele an Edward Hoppers Bildwelten, Momente bei Caspar David Friedrich oder auch an die Malerei eines Paul Gauguin. Das natürlich vor allem dann, wenn es die exotischen Reize der karibischen Landschaft sind, die Peter Doig hier und da inspirieren.

Einen Überblick über die vielen Facetten dieses Schaffens gibt nun eine Ausstellung in der Frankfurter Schirn: In der ersten großen Doig-Retrospektive in Deutschland werden rund 50 Gemälde des Künstlers und zahlreiche Arbeiten auf Papier gezeigt, die vornehmlich in den letzten fünf Jahren entstanden. Darunter sind auch solche Werke zu entdecken, die noch nie zuvor in Deutschland zu sehen waren.

Und selbstverständlich werden auch Filmplakate ausgestellt, und nicht zu wenige: In Port of Spain, dem Ort seiner Wahlheimat, betreibt Peter Doig zusammen mit seinem Künstlerkollegen Che Lovelace nämlich ein eigenes Programmkino, um karibischen Filmen und auch so manchem Avantgardeklassiker eine Leinwand mehr zu geben. Um anzukündigen, was auf dieser präsentiert wird, braucht es aber natürlich Poster – die wiederum der Kinomacher am Tag vor der Vorführung jeweils mit schnellem Pinsel selbst malt. Zur Ausstellung wird Peter Doigs Programmkino übrigens für eine Weile auch in Frankfurt zu erleben sein.

Die Ausstellung „Peter Doig“ ist noch bis zum 4. Januar 2009 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen.
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Bildnachweise:

1. PETER DOIG
REFLECTION (WHAT DOES YOUR SOUL LOOK LIKE), 1996
Öl auf Leinwand, 295 x 200 cm, Sammlung Mima und César Reyes, Puerto Rico
Courtesy of the artist and Victoria Miro Gallery, London
© Peter Doig

2. PETER DOIG
FIGURES IN RED BOAT, 2005-07
Öl auf Leinen, 250 x 200 cm, Privatsammlung
© Peter Doig

3. PETER DOIG PORTRÄT
Foto: Alex Smailes / abovegroup

4. PETER DOIG
HITCH HIKER, 1989-90
Öl auf Postsäcken, 152 x 226 cm
Courtesy of the artist and Victoria Miro Gallery, London
© Peter Doig