War was?

Strahlend wird die Zukunft sein

Genauso gut ließe sich schreiben: Michel, der Baum brennt. Denn der Start in die zweite Hälfte der Politiksaison hätte in Deutschland turbulenter nicht sein können.

Das Sommerloch hat sich abrupt verabschiedet. Sogar das Wetter signalisiert: Die Zeit der stilisierten Urlaubsbildchen ist vorbei. Von nun an weht 'ne steife Brise.

 

Das Gezerre um die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke in Deutschland beschleunigte sich in hitzigen, außerhalb der politischen Arena geführten Debatten - neudeutsch: die Politik erklären und den Bürgern nahebringen - und während der lobbyistische Beischlaf der Energieindustrie mit der deutschen Politik den Beteiligten schlaflose Nächte bescherte, verloren die Entscheider aus den Augen, dass unserer Demokratie eine in dieser Dimension bisher beispiellose Niederlage zugefügt wurde. Eine im Ganzen, vor allem inhaltlich, unumstrittene Entscheidung, Atomkraftwerke, ob ihrer unwägbaren Risiken im Betrieb (vom Störfall bis zum Terrorangriff) und der gefährlichen Endlagerung, in einem wohldefinierten Zeitfenster abzuschalten - diese Entscheidung wurde nach dem langanhaltenden Gezeter der Lobbygruppe Energie dermaßen verwässert,denn das bedeutet, dass unsere Enkel auch noch in 50 Jahren und länger mit den Altlasten der Atomindustrie zu kämpfen haben werden. In der Quintessenz verbleibt als galliger Beigeschmack die Erkenntnis, dass die güldene Zeit verlässlicher Politik im Interesse des Volkes dahin ist.

Und dass sich das Management der vier Energieriesen in Deutschland auch noch die Fußnägel wird vergolden lassen können, ist nur der traurige Höhepunkt einer Farce, die von den Koalitionären als knüppelharte Verhandlungen gepriesen wird.

 

Als besonders schmerzhaft kann dabei, dies sei an dieser Stelle hervorgehoben, die Rolle der Bundeskanzlerin empfunden werden. Denn war uns Angie als ehemalige Umweltministerin und ausgebildete Naturwissenschaftlerin quasi die perfekte Vertreterin einer gerechten, weil die Interessen aller ausgleichenden Konfliktlösung, so gerierte sich Frau Merkel über den Sommer dieses Jahres zur Geisel ihrer eigenen Machtvorstellungen. Diese klischeebedienende Vorstellung, erst einmal Ordnung im Vorgarten schaffen zu müssen, fand ihren traurigen Höhepunkt in der hektischen und letztendlich ohnmächtigen Attitüde gegenüber Herrn Sarrazin. Dass die Thesen Herrn Sarrazins wie das Flötenspiel des Rattenfängers von Hameln auf die breite deutsche Öffentlichkeit wirken, liegt weniger an den Thesen selbst...

Solange Frau Merkel nur für eine gerade, grüne Kante im Vorgarten Deutschlands sorgt, wird der Garten hinterm Haus ohne sie zwischen den rechten und linken, den schwarzen, gelben, grünen und roten, den verrauchten und verkaterten Interessengruppen aufgeteilt.