Starke Frauen

Sylvia Pankhurst

Die englische Frauenrechtlerin steht für Fortschrittsgeist des 20. Jahrhunderts.

Ein Symbol für den Kampf um das Frauenwahlrecht in Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts ist die englische Aktivistin der Sufragettenbewegung und Schriftstellerin Sylvia Pankhurst. Als Pazifistin und Sozialistin zeigt sie Herz für die Arbeiterinnen in Londons East End. Und sie ruft ein publizistisches Sprachrohr für Frauenrechte und Unterschichtsprobleme ins Leben: die Zeitschrift „The Woman’s Dreadnought“.

 

Protestmärsche und Demonstrationen

 

Sylvia Pankhursts Eltern gehörten der Independent Labour Party an. Durch ihren Vater, einen Rechtsanwalt, kommt Sylvia früh mit dem Elend der Slums in Manchester in Berührung, was sie zutiefst prägt. Dank eines Stipendiums kann sie Kunst studieren. Mit Mutter und Schwester engagiert sie sich in der 1903 in London gegründeten Women’s Social and Political Union (WSPU). Protestmärsche und Demonstrationen führen immer wieder zu Verhaftungen, Eindrücke, die sich in Beschreibungen des berüchtigten Frauengefängnisses Holloway in ihrem Buch „The Suffragette Movement“ (1931) niederschlagen. Bei den Gefängnisaufenthalten treten die Suffragetten oft in den Hungerstreik, auf den die Regierung brutal mit Zwangsernährung reagiert.

 

In der Frage des Frauenwahlrechts bewegt sich nichts, und die Aktionen der WSPU werden immer militanter. Sylvia gründet die eigene East London Federation of Suffragettes und mit einem weiterentwickelten politischen Ansatz die Women's Suffrage Federation, später Worker's Socialist Federation. Ihre Zeitschrift (dt. Das Schlachtschiff) dient ihr inzwischen als Aufklärung über die elenden Lebensbedingungen der Unterschicht. Aus dieser Zeitschrift geht später die Publikation Workers' Dreadnought hervor. Sylvia nimmt teil an der kommunistischen Bewegung und wird darin eine wichtige Figur ihrer Zeit.

 

Arbeit im Londoner East End

 

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte Sylvia bereits einen von Mutter und Schwester getrennten Weg eingeschlagen. Als Pazifistin wollte sie nicht Versorgungsaufgaben an der Heimatfront übernehmen. Sie ging weiter ihrem sozialpolitischen Engagement nach. Ihre Arbeit im East End war jetzt nötiger denn je, denn viele Männer waren fort, und die Frauen mussten ihre Familien allein durchbringen und zudem noch in der Kriegsproduktion arbeiten – natürlich zu einem geringeren Lohn als die Männer.

 

Als sie 44 Jahre alt ist, kommt Sohn Richard zur Welt. Mit dem Vater des Kindes, einem italienischen Exilsozialisten, lebt sie auch ohne Ehe in einer glücklichen Beziehung. Sie setzt das Schreiben und ihre politischen Aktivitäten fort. Der Zweite Weltkrieg schließlich ist für sie Anlass, gegen den Faschismus zu kämpfen, hatte sie sich doch vorher schon dem Antifaschismus zugewandt.

 

Leben in Äthiopien

 

Als Mussolini 1935 in Äthiopien einmarschiert, unterstützt sie die Bevölkerung vor Ort. Sie widmet sich fortan der sozialen und politischen Arbeit in Äthiopien, schreibt über äthiopische Kunst und Kultur und gründet 1956 mit ihrem Sohn die Monatszeitschrift Ethiopia Observer, welche die gesellschaftliche Entwicklung Äthiopiens publizistisch begleitet. 78-jährig stirbt sie in Addis Abeba. Sogar Kaiser Haile Selassie nimmt an ihrer Beerdigung teil. Am 27.September 2010 jährte sich ihr Todestag zum 50.Mal.

 

 

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Das  Porträt zu Sylvia Pankhurst von Cornelia Heuer findet sich auf dem Frauenbiographie-Portal www.fembio.org von Professorin Luise F. Pusch.

 

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