War was?

Teures Risiko

Mutterschutz verlängern – ja oder nein?

Eigentlich klingt es gut und müsste als prima Sache gefeiert werden: Die EU plant, den Mutterschutz europaweit auf 20 Monate anzuheben – noch dazu bei vollem Lohnausgleich. Doch wird das Vorhaben kontrovers aufgenommen. Und das nicht nur, weil die Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden sollen, den Großteil der Bezüge in dieser Zeit zu bezahlen.

 

Deutschland ist schon vorbildlich

 

So einfach ist das – wie immer – nicht. Gut Gemeintes ist nicht automatisch hilfreich. Das gilt gerade hierzulande, wo wir „die schönsten Gesetze für Mütter haben.“ Denn Deutschland hat mit seiner Kombilösung Mutterschutz und anschließender Elterngeld- und Elternzeitregelung ohnehin eine andere Situation als die meisten Nachbarstaaten und braucht hier weniger Nachhilfe. Nach 14 Monaten Mutterschutz bei vollem Lohn, der überwiegend aus der Kasse des Arbeitgebers beglichen wird, greifen bei uns nochmal weitere 14 Monate Elterngeld (in Höhe von 67 Prozent des Nettolohns, bei maximal 1.800 Euro), die der Staat zahlt.


Vergessen wir nicht, beim Mutterschutz gilt es, mehrere Ziele zu verfolgen: die Gesundheit der Mütter, dann die Bezahlung während der Auszeit, und schließlich - nicht minder wichtig - die Chancengleichheit von Mann und Frau. Genau letztere aber wird durch die geplante Mutterschutzerweiterung auf 20 Monate bei voller Lohnfortzahlung aufs Spiel gesetzt. Denn künftig ist damit eine Einstellung von Frauen „im gebärfähigen Alter“ für ein Unternehmen noch riskanter als bisher schon.

 

In guter Absicht zum Nachteil der Frauen?


Wenn der Staat Sorge hat, dass uns die Kinder ausgehen, und Anreize bei den Frauen schaffen will, sich für Nachwuchs zu entscheiden, dann muss er selbst via Steuergelder für die Finanzierung der Maßnahme sorgen. Bürdet der den Unternehmen den finanziellen Ausgleich auf, dann benachteiligt man dadurch am Ende ausgerechnet die Mütter: weil diese zu teuer werden und dadurch nicht attraktiv als Mitarbeiterin. Weswegen man durchaus folgerichtig resümieren könnte: „Aus der guten Absicht der Parlamentarier wird ein Schlag gegen die Emanzipation.“


Gute Signale sind folgende Details der geplanten Richtlinie: Die Mutterschaftsregelung soll auch für Selbstständige gelten, es sollen auch 2 Wochen Vaterschaftsurlaub möglich sein, und neben dem Kündigungsschutz wird ein Rückkehrrecht in den Job mit gleicher Themenstellung und Verantwortung geplant. Bislang allerdings ist noch nichts entschieden, denn nach der Abstimmung im EU-Parlament ist nun erst der EU-Ministerrat dran.


Jedenfalls ist Vorsicht und Umsicht geboten. „Das Land sorgt sich sehr um seine Mütter. Aus lauter Fürsorge sitzen sie am Ende in einem Gehege,“ befürchtet auch Wenke Husmann in der ZEIT. Mutterschutz ist gut. Aber Vereinbarkeit ist besser.