War was?

Und wer hat's erfunden?

Das Volk Kirgistans hat sich in einem Plebiszit für eine neue Verfassung entschieden - nach deutschem Vorbild.

"Von Deutschland lernen, heißt Demokratie lernen." Hätten Sie gedacht, dass unsere Demokratie in der Hierarchie der freiheitlich-demokratischen Vorturner und Musterschüler solch einen exponierten Platz erhalten wird? Quasi als Blaupause für die parlamentarische Demokratie in Kirgistan? Würden uns die Ereignisse der letzten Tage nicht vermehrt die Stirnfalten wie Baumpilze wachsen lassen, ja, dann hätten wir wohl, noch berauscht vom Jubel um das Spiel der Jungs, selig grinsend die Deutschland-Fläggchen geschwenkt, "mir san mir" - und klar, in der Demokratie ist Abschreiben erlaubt.

 

So aber spüren wir ein leichtes Brennen in der Magengegend. Der Knatsch der Parteien miteinander, untereinander, die rhetorischen Entgleisungen auf allen Seiten, der Mangel an Ehrlichkeit, der Überfluss an Macht- und Geltungsbedürfnis, der Mangel an Sachlichkeit, der Überfluss an Selbstüber- bzw. fehleinschätzung - wenn dies alles Ergebnis der Verfasstheit unserer Demokratie ist, dann taugt sie eher als mahnendes Beispiel denn als Prägung für die erfolgreiche Umsetzung parlamentarischer Demokratie. Der Besuch der Bundeskanzlerin in Südafrika in Wahrnehmung bundespräsidialer Aufgaben auf Kosten der Steuerzahler ist da nur der i-Punkt auf die Schieflage demokratischen Selbstverständnisses der derzeit regierenden Koalition.

 

Sicherlich: Die Kirgisen gehen quasi jungfräulich in das Abenteuer demokratischer Selbst- und Mitbestimmung. Unbefleckt wohl eher nicht, denn das Tuch, auf dem die neue Verfassung ausgelegt wurde, hat schon etliche Blut- und Brandflecken. Von daher vorhersehbares Scheitern abzuleiten, wie es beispielsweise die russische Regierung verlautbarte, erscheint reine Spekulation. Zumal es der kirgisischen Interims-Präsidentin Rosa Otunbajewa wohl keiner zugetraut hatte, überhaupt bis zu diesem nunmehr historischen Wendepunkt in der Geschichte Kirgistans zu gelangen. So sei es an dieser Stelle gestattet, mit dem didaktischen Zeigefinger darauf hinzuweisen, dass es wohl erst der pragmatischen und integrativen Gestaltungskraft einer Frau bedurfte, dass dieses Wunder in der patriachial dominierten Region Mittelasiens Realität wurde.