Reizthema

Ungesunde Körperideale - Schluss damit, sagt eine Kampagne

Für "Endangered Species Women" setzt sich eine britische Initiative ein, Mitbegründerin ist Susie Orbach. Die "Gefährdete Art", die es zu schützen gilt, sind Frauen und Mädchen, die ihren eigenen Körper mögen.

Von: Bärbel Kerber

vom 06.04.11

Es ist bestürzend, wie sehr Frauen und Mädchen mit ihrem Äußeren beschäftigt sind. Viele können nichts Gutes an ihrem Körper finden und widmen sich fast zwanghaft dessen Optimierung und Perfektionierung. Es ist an der Zeit, die Öffentlichkeit aufzurütteln und den Frauen zu einem Selbstbewusstsein zu verhelfen, das sie unabhängig von Äußerlichkeiten macht, finden Susie Orbach und ihre Mitstreiterinnen, die mit einer Konferenz am 11. März in London den Startschuss gaben für eine Kampagne, die ihresgleichen sucht.

 

Ernüchternde Zahlen

 

Was uns unser diffuses Bauchgefühl sagt, bestätigen Studien zur Körperwahrnehmung in harten Zahlen :

 

Nur noch acht Prozent der deutschen Frauen sind mit ihrem Körper zufrieden. Nur zwei Prozent fühlen sich schön.

 

Die Amerikaner geben 100 Milliarden Dollar im Jahr für Diätprodukte aus und 60 Milliarden für Bildung.

 

Nur 2% der Frauen in Großbritannien sind mit ihrem Körper glücklich und mehr als 7 von 10 Frauen glauben, ihr Leben würde sich weit verbessern, wenn sie einen schönen Körper hätten (71%).

 

Schlachtfelder der Schönheit

 

Die Psychotherapeutin Susie Orbach beschäftigt sich schon lange mit dem Körperwahn. Aktiv kämpft die Buchautorin von "Bodies: Schlachtfelder der Schönheit", "Lob des Essens" und dem "Anti-Diätbuch" mittlerweile gegen verkehrte Schönheitsideale und ein normiertes Körperbild. 

 

Emma Thompson konnte als eine von vielen Unterstützerinnen für die Kampagne gewonnen werden. Ihr Beitrag ist u.a. ein Kurzvideo, das unter die Haut geht:

 

 


 

Die auf der Website von "Endangered Species" gesammelten lesenswerten Berichte, sehenswerte Videos und berührende Statements haben vor allem eines zum Ziel: Dass sich Frauen und Mädchen wahrhaftig von einer Industrie emanzipieren, die ihnen suggeriert, ihr Körper sei, so wie er ist, "nicht richtig". Die Kosmetikindustrie, die Diätindustrie (Bücher, Light-Produkte und Co.), die Schönheitschirurgie, die Modeindustrie, die Großzahl der Frauenmagazine, die Klatsch- und Tratschgeschichten der Regenbogenpresse und nicht zuletzt Castingshows profitieren allesamt davon, dass Frauen vor allem eines sein wollen: dünn, straff und schön. Und dass sie sich nicht in ihrem Körper wohlfühlen und permanent damit beschäftigt sind, einem künstlichen Schönheitsideal nachzueifern.

 

Kommerzielle Ausbeutung des Körpers

 

Es habe sich eine kommerzielle Ausbeutung des Körpers durch die Mode- und Schönheitsindustrie eingebürgert, prangert die Kampagne an. Zu wenig werde über die Folgen reflektiert und wie dies einen Körperfetischismus hervorbringt, der rasch zu Körperhass werden kann. Vor kaum einem Aspekt unseres täglichen Lebens macht dies halt. "Wir schreiben Gesundheitswarnungen auf jedes Päckchen Zigaretten, aber wir warnen nicht vor digital bearbeiteten Bildern", gibt Orbach als Beispiel an. Mädchen und Frauen, doch auch zunehmend Männer, finden heute ihren Körper zu dick, zu blass, zu schlaff, zu haarig - alles, nur nicht in Ordnung.

 

Die Initiative "Endangered Species" könnte der Anfang  eines veränderten Bewusstseins sein.  Susie Orbach betont in ihrer Eingangsrede zur Konferenz in London, dass die Ziele der Kampagne ganz "unbescheiden" seien. "We want every girl to grow up feeling a matter of fact right to her body…..without attack, without self criticism, without being watchful. We want girls to be able to see their bodies as the place they live from. Not a complicated place of fear."

 

Der erste Schritt in diese Richtung wäre, so viel Informationen wie nur möglich hierüber zu verbreiten.