Babe der Woche

Verkorkste Bildschirmkost

Der Preis für Frauenfeindlichkeit im Fernsehen geht in diesem Jahr an eine ZDF-Kochsendung: Männer in der Küche sind eine gute Sache. Aber wenn der Herd zum Stammtisch wird, kann man auf das kulinarische Ergebnis auch ganz gut verzichten!

 

Das finden nicht nur die Teilnehmerinnen des „30. Herbsttreffen der Medienfrauen“, die alljährlich den Preis der „Sauren Gurke“ verleihen – das finden auch wir.

 

In diesem Jahr ging die Auszeichnung, die auf frauenfeindliche Produktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aufmerksam macht, an die ZDF-Kochsendung „Lafer! Lichter! Lecker“. Der Stammtisch habe hier ein ganz neues Zuhause gefunden, so befand die Jury. Nämlich in der Küche, wo die Köche Horst Lichter und Johann Lafer nicht nur die Messer wetzen – sondern auch mal mit Entgleisungen im eigenen Frauenbild aufwarten.

 

Bemerkenswert sei insbesondere die Sendung vom 18. August 2007 gewesen, in der vieles offenbar sehr hochtourig lief: Weibliche Gäste wurden als „Täubchen an seiner Seite“ bezeichnet und „nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen“ genannt. Appetit auf  "Hühnerbrüstchen" mochte bei den sexistischen Machosprüchen, die hier erprobt wurden, nicht so recht aufkommen.

 

Zumindest dem weiblichen Publikum blieb diese Bildschirmkost eher schwer im Magen liegen. Die rund 250 Mitarbeiterinnen, die aus ARD, ZDF und dem österreichischen ORF vom 5. bis 7. Oktober in Frankfurt zusammenkamen, um neben Vorträgen, Workshops und Diskussionen auch den Gewinner der diesjährigen „Sauren Gurke“ zu küren, waren dabei um mögliche Preisträger nicht gerade verlegen: Für die Verleihung werden alle Formate, die von oder für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten im deutschsprachigen Raum produziert werden, berücksichtigt. Und wer meint, das „Öffentlich-Rechtliche“ müsse doch schon von „Amts wegen“ her sehr ansehnlich unterwegs sein, was Geschlechterdemokratie und den Abbau von Rollenklischees angeht, der möge einen kurzen Blick auf zahlreiche Kandidaten oder in das Archiv werfen:

 

Im Jahr 2005 etwa schaffte es der Norddeutsche Rundfunk zu einer Gesamtauszeichnung gleich für das Jahreswerk en gros: „Sowohl in Talkshows als auch in Unterhaltungssendungen, in Magazinen und bei der Sportberichterstattung, sogar beim Spielfilm überzeugte der NDR mit einem rasanten Abbau an Qualitätsstandards und unerwarteten Rückgriffen auf chauvinistische Klischees“, so die Laudatio von damals.

 

Nun gut. Der Preis der "Sauren Gurke" ist eine schöne Sache – damals wie heute. Und wer mit Lorbeeren dieser Art "eingemacht" wird, landet natürlich auch bei uns auf dem Servierteller. Das „Babe“ der Woche?  Geht hiermit an zwei Köche und den Sendungsbrei, den das ZDF seinen Zuschauern so (samstags von 16.15 bis 17:00 Uhr) vor die Nase setzt.