Anderswo

Verzicht auf das Mädchen von Seite eins

Verdient Herr Diekmann dafür Beifall?

Von: Bärbel Kerber

vom 13.03.12

Nach knapp 28 Jahren mit über 5.000 blanken Frauen und mehr als 10.000 nackten Brüsten und entsprechend lasziv-dämlichen Untertiteln (da wartete die hüllenlose Ilona auf ihren Dirigenten, damit er ihr "Nachhilfe mit seinem Taktstock gibt" und Hausfrau Renate hoffte, dass der Klempner endlich "kommt”, “Zum Becken-Bauen") “ kamen Diekmann und Kollegen am Internationalen Frauentag 2012 zur überraschenden Einsicht, dass diese nicht mehr zeitgemäß sind. Doch ein Zeugnis des Respekts vor Frauen ist das nicht.

 

Frauenversteher bei der BILD?


Die barbusigen Frauen verschwinden von der 1.Seite der BILD. So weit, so gut. Dass allerdings die BILD-Redaktion dies uns als fortschrittlichen Akt ("moderner, besser verpackt.... so wie es viele Frauen sich immer gewünscht hatten")​ verkaufen will, ist gelinde ausgedrückt, ein Witz. Nicht nur, weil es eine Mogelpackung ist - denn das Seite-1-Girl wandert nun nur auf eine kuscheligere Seite im Innenteil:
“Vom gestrigen Sonnabend an sollen Frauen nun ihre Brüste im Innenteil zeigen, wo es etwas wärmer ist, als auf der Seite eins, wo doch gerade an den Bahnhöfen der Wind so hart am Zeitungsständer vorbei pfeift,” schreibt Silke Burmester unverhohlen süffisant.

Dabei offenbart gerade die Selbstinzsenierung der BILD als neue Vertreter der Frauenrechte die verquere Geisteshaltung der Urheber der Idee. Oder wie es Lena Jakat auf den Punkt bringt: "Sie dachten, um die Chancengleichheit von Frauen und Männern zu befördern, bräuchte es eine Debatte um Frauenquote, Kinderbetreuung und Flexibilisierung von Arbeitszeiten? Ach was! Das wissen wir jetzt dank Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung."..."In einer Geste grenzenloser Großherzigkeit haben die männlichen Redakteure der Bild-Zeitung, die einzig wahren Ritter der Frauenrechte, dafür gesorgt, dass sich die Mädchen von Seite eins zukünftig einen anständigen Job suchen können, statt sich freiwillig als Lustobjekt inszenieren zu müssen."

 

Verzweifelter Akt

An dem Verständnis der Zeitung, dass Frauen vor allem der Männerbeglückung dienen mögen, rüttelt diese Aktion nicht. Gleichberechtigung sieht anders aus. Das ist “Feminismus von gestern”, sagen übrigens auch Männer, die genau nachgeschaut haben.

Vielleicht war der Schritt purer ökonomischer Notwendigkeit geschuldet und ein verzweifelter Versuch, angesichts schwindender Auflagenzahlen bei potenziellen weiblichen Leserinnen “gutzumachen.” Denn die verkaufte Auflage der BILD ist von ehemals 4, 5 Millionen (1998) auf heute 2,8 Millionen (2011) gesunken.

 

Wirklich viel ändern wird sich nicht.