War was?

Victoria, Emmely, Hannelore, Roselyn

Vier Frauennamen - vier Frauenschicksale - und so viel Lärm um nichts

Nichtigkeiten gibt es viele in diesem weiten Rund. Selten aber reiht sich so unerklärlich viel Nichts an Nichts und verursacht ein ohrenbetäubendes Geraschel im Nachrichtenwald der berichtenden Zunft.

Da ist Victoria, die den Daniel heiratet. Und ein nicht geringer Teil der Weltbevölkerung suhlt sich in brokatschweren Gefühlen abseits des rabenschwarzen Alltags. Nun ist Victoria, auch Kronprinzessin von Schweden, kaum vorzuwerfen, dass die Gier der Meute nach aristokratischem Heldentum die Wirklichkeit in diesem Ausmaß verzerrte und in einem Europa wie diesem so groteske Züge angenommen hatte. Dass es nun aber zum Streit kommt, prinzipiellem natürlich, zwischen den Bildbringern und den Bildverwertern, dass sich ganze Nachrichtenagenturen erst in die Pose des beleidigten Verlierers werfen müssen, um nicht über einen Massenauflauf kleinstbürgerlicher Projektionen berichten zu wollen - das ist ein Lärm, der unsere Ohren erröten lässt - neudeutsch: Wir haben uns fremdgeschämt.


Der vielleicht ebenso nichtige nichtsdestotrotz in unserer Zeit unabkömmliche Lärm der Registrierkasse wurde einer Kaisers-Verkäuferin mehr als 2 Jahre verwehrt. Nun darf sie ihm wieder lauschen - und zwar hinter der Kasse. War es ihr pragmatischer Ordnungssinn, gepaart mit der deutschen Tugend, nichts umkommen zu lassen oder tatsächlich anmaßendes Besitzstreben, gepaart mit finanzkapitaler Profitgier - wir werden es nie erfahren. Als die Supermarktkette Kaisers die Verkäuferin entließ, war auch schon die Rechtsanwaltskarawane der Großgewerkschaft Ver.di auf dem Plan und erfocht das Recht auf Arbeit zurück in die Hände der arbeitenden Bevölkerung. Grundsätzlich. Tat es und zog weiter auf der Suche nach der nächsten ungerechtfertigten Entlassung einer oder eines Einzelnen. Und Emmely? Die hat doch wieder Arbeit. Alles schick.

 

Noch lange nicht schick ist die Angelegenheit für die liebe Hannelore. Der nachrichtenliche Trommelwirbel, der in den Wochen nach der Wahl in NRW geschlagen wurde, ließ zwar vermuten, dass die Rollen klar verteilt wären. Aber sowohl der Jürgen als auch die Hannelore versuchten sich im gewagten Understatement von Wahlergebnis oder eigener Person oder beidem. Das sollte gut für das Land sein - war es dann aber nur für die Presse. Und so zerrte der eine noch an Amt und Würden, weil er es nicht lassen wollte, wohingegen die andere sich zierte. Weniger, weil sie keine Gespielen finden konnte - die standen jederzeit bereit, mit der Aktentasche in Hab-Acht-Stellung - sondern vielmehr weil die Hannelore alles andere zu sein scheint als eine geborene Macht-Politikerin. Fast drängte es einen zu rufen: Mach uns hier nicht die Angela. Aber jetzt ist es vollbracht. Der Minderheit fehlt eine Stimme. Aber wir sind ja eine Demokratie.

 

Wie stimmgewaltig oder jenseits der Stille die französische Ministerin für Körperertüchtigung in der Kabine der Équipe Tricolore versuchen wird, sich staatsfraulich zu geben und im Auftrag des Weißen Ritters Krisengespräche mit 26 und ein paar mehr Männern zu führen. Die sind alles andere als der Stolz ihres Landes und außerdem nicht nur fern ihrer Heimat, sondern auch fern jeden Anstandes - nichts dergleichen ist uns bisher verbrieft zu Ohren gekommen. Dass der Lärm um die nichtsnutzigen Millionäre des ballbegleitenden Fußgewerbes den sirenenhaften Klang der Vuvuzelas wie das zarte Zirpen eines Heimchens anmuten lassen, liegt in der Natur des Lärms um die grell beschuhten Rasenschänder - Wut, Entrüstung, verschmähte Liebe, Fraktionierung, Entgleisungen in jeder Art und Weise.

So viel Lärm um (fast) gar nichts.

Aber bis zu 9.600.000 Liter Rohöl strömen in den Golf von Mexiko, tagtäglich. Aung San Suu Kyi ist 65 Jahre alt geworden und seit 20 Jahren in Haft bzw. Hausarrest.