Anderswo

Victoria Woodhull – eine Frau und das Präsidentenamt

Nicht nur Hillary Clinton – auch sie wollte ins Weiße Haus. Victoria Woodhull war die erste Frau mit einem Broker-Büro an der Wall-Street, hatte eine Zeitung ins Leben gerufen und für die freie Liebe plädiert. Dann kam das Jahr 1872. Und Amerika erlebte eine Kandidatur, die es nicht für möglich hielt.

„Ich habe mich selbst zur Kandidatin ernannt, und allein diese Tatsache hat bewirkt, dass Menschen sagen: Warum auch nicht? Diesen Dienst habe ich Frauen (…) erwiesen“, so erläuterte Victoria Woodhull die eigene Absicht, sich zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten wählen zu lassen. Glaubte sie selbst vielleicht gar nicht so recht an einen Erfolg? Ging es womöglich nur um den symbolischen Akt selbst – der allerdings gehörig wachrütteln sollte?

Als Victoria Woodhull in einem offenen Brief 1872 bekannt gab, sie werde als erste Frau für das höchste Amt im Lande kandidieren, da hatte Amerika gerade begonnen, von einer Gleichheit aller seiner Bürger zu träumen: Die Sklaverei war abgeschafft worden und ein Wahlrecht in Kraft getreten, das unabhängig von der Hautfarbe „für alle“ gelten sollte – gemeint war „für alle Männer“. Gleichheit? Noch 50 Jahre brauchte es, bis auch Frauen in Amerika an die Wahlurne durften. Solange aber wollte eine auf keinen Fall noch warten.

Wer aber war Victoria Woodhull? Diese Frau, die ihrer Zeit einen Skandal bescherte, den die Presse damals begeistert gleich als die „größte Geschichte seit Abraham Lincolns Ermordung“ feierte? Antje Schrupp hat ein Buch geschrieben, um den Dingen auf den Grund zu kommen. In einer Biographie beschreibt die Frankfurter Publizistin „Das Aufsehen erregende Leben der Victoria Woodhull“ – so der Titel, unter dem Geschichte, Politik und Glamour in den Blick geraten:

„Wenn die New Yorker Halbweltdame Reden hielt, füllte sie ganze Hallen. Sie besaß eine eigene Wochenzeitung und schrieb darin über Börsenkurse, Verhütungsmethoden und Initiativen der Frauen- und Arbeiterbewegung. Was Victoria Woodhull zu sagen hatte, war spektakulär. Zu spektakulär für (…) Geschichtsschreiber“, so heißt es in diesem Buch.

Wer mehr über Victoria Woodhull erfahren möchte, kann zu der Biographie von Antje Schrupp greifen oder aber auch ein Kurzporträt lesen, das bei der „Rhein-Zeitung Online“ und mit einem Klick hier die charismatische Querdenkerin wiederzuentdecken gibt.