Weibchenschema

Voll verschleiert – und schwarz gezeichnet?

Ein Comic umkreist die Burka mit dunkelstem Humor: Eva Schwingenheuer hat den Alltag von Frauen karikiert, die in das „große Schwarze“ gehüllt sind – und so beim Friseur, Gynäkologen oder auch Ballett vor einem absurden Spagat stehen. Ist das nun aber witzig? Oder schlechter Klamauk?

„Frauen in Burkas sind als solche nicht lustig“, meint Eva Schwingenheuer selbst. Gerade deshalb aber möchte die Künstlerin eindeutig Stellung beziehen: In ihrem Buch „Burka“ präsentiert sie 45 provozierende Zeichnungen, die den Alltag unter dem Schleier in ein skurriles Licht rücken: In einem der Comics sitzt eine Burka-Trägerin voll verhüllt beim Friseur und erklärt ihre Wünsche: „Nur die Spitzen, bitte!“ An anderer Stelle treffen sich zwei Frauen, die ihre identischen Tuchhüllen bewundern: „Tolles Outfit!“ 

Zum Lachen? Oder ist das schon hart an der Grenze zur Verunglimpfung von Gefühlen, die der Islam an das Kleidungsstück heftet? „Mir ist es gleich, mit welcher Religion die Vollverschleierung begründet wird. Ich habe keinerlei Verständnis dafür“, erklärt Eva Schwingenheuer hierzu resolut. Und: Die Burka sei ein Mittel, mit dem Frauen unterdrückt werden und unfrei durch die Welt gehen – mit „einem Sack über dem Kopf“, wie die Künstlerin es ausdrückt. 

Das trifft natürlich ins Schwarze einer Diskussion, die längst schon hohe Wellen schlägt: Gehören muslimische Kopftücher, Burkas und andere Formen der Ganzkörperverhüllung in Europa besser verboten? Weil eine aufgeklärte Gesellschaft sich nicht leisten kann, kulturelle Gepflogenheiten zu tolerieren, in deren Namen Menschen eingeengt werden, sich weniger frei bewegen, äußern oder entwickeln können? Oder sind wir damit schon wieder bei einem gängigen Zerr- und Schreckbild – und Islamophobie?

Um den Islam gehe es ihr gar nicht, so beteuert Schwingenheuer in Interviews. Sondern nur um die Schleierpflicht, die auch im Islam selbst nicht unumstritten sei. „Wir reden über eine ganz spezielle, sehr konservative, restriktive Auslegung des Koran, nicht über den Islam an sich“, sagt die Illustratorin. Für sie liegt genau hier der Schlüssel zu dem „doppelten Sexismus“, den die Burka zum Ausdruck brächte: Sie soll Frauen unsichtbar machen, ihnen ihre Individualität nehmen und sie auf ihre körperliche Reize reduzieren. Dabei kämen auch Männer nicht wirklich gut weg: Denn so stünden auch sie schließlich als Triebwesen da, die nicht in der Lage scheinen, anders als lüstern auf eine Frau zu blicken. 

Mit anderen Worten: Für Eva Schwingenheuer ist das große schwarze Tuch – nicht anders als das so genannte „kleine Schwarze“ und die „allgegenwärtige Nacktheit bei uns“– Zeichen einer absurden „Übersexualisierung“. Gelingt es der Zeichnerin nun, diese in ihren Comics bloß zu stellen? Zum Teil schon. Eine Abbildung wie „Nuttenburka“, die den schmalen Sehschlitz des Körperschleiers auf Unterleibshöhe verrutscht zeigt, mag drastisch anmuten. Und kann dennoch als Kritik an einem überstrengenden Sittenkodex verstanden werden. Was aber will einem ein Comic vermitteln, in dem eine Burka-Trägerin viele andere fragt: „Wollt ihr die totale Burka“? Und aus dem Dunkel der Menge verhüllter Frauen schallt ein „Ja“ zurück? 

Irgendwie ist es hier der Witz selbst, der in die Hose geht. Und verheerend nah an Vorurteilen operiert: Unter jedem muslimischen Kopftuch eine böse Gesinnung? Die Welt ist so viel komplexer – selbst unter dem Druck strenger Sittenwächter, wie uns bereits auch die zauberhaften „Persepolis“- Bände der gebürtigen Iranerin Marjane Satrapi vor Augen führen konnten. Kein Vergleich... zu dem „Burka“-Karneval, den Schwingenheuer erprobt.