Wissenswertes

Voller Einsatz für die Liebe

Katja Kruse ist Gay-Weddingplanerin in Hamburg.

Ach ja, der Frühling, die Sonne, die Blumen – die Liebe. Die ist das Geschäft von Katja Kruse. Und fürs Geschäft ist die Mittvierzigerin auch schon früh am Morgen voll auf Zack. Rein ins Auto und losgefahren – mit quietschenden Reifen quer durch die Hansestadt. Ganzer Einsatz für ihre Mission: der perfekte Tag. Heute auf dem Programm: drei Termine, drei Locations, zwei Menschen und ein großes Ziel: ein Tag im 7. Himmel. Denn Katja Kruse ist Hochzeitsplanerin.

Nicht irgendeine Hochzeitsplanerin – Kruse bringt nämlich nur Mann und Mann oder Frau und Frau unter die Haube. Denn sie ist (bislang) Hamburgs einzige Gay-Weddingplanerin. Katja Kruse ist sozusagen die Spezialistin in Sachen Verpartnerung.

Und wie unterscheiden sich homosexuelle Hochzeiten von denen Heterosexueller? „In erster Linie durch das Brautpaar selbst. Die Hochzeiten sind ähnlich, anders sind nur die Protagonisten – weil sie das gleiche Geschlecht haben“, lautet die lapidare Antwort der Weddingplanerin.

Chaos ausgeschlossen – Katja Kruse

Ein wenig wirkt Katja Kruse wie eine strenge Mutter. An diesem Vormittag hat sie gleich mehrere Besichtigungstermine mit zwei jungen Männern, seit Jahren ein Paar. Und ein bisschen schüchtern, bei ihrer ersten Begegnung mit der Weddingplanerin. Kruse spricht klar und deutlich, ihre Stimme ist tief und fest. Resolut wirkt sie, die aschblonden Haare streng zurückgekämmt zu einem Pferdeschwanz. Eine Frau, die weiß, was sie will und die fest mit beiden Beinen im Leben – und in der Geschäftswelt – steht. Romantisch, aufgetakelt, schräg oder schrill wirkt sie gar nicht. Eher bodenständig. Sie trägt flache, bequeme Schuhe – Schuhe, mit denen man gut einen anstrengenden Tag mit vielen Terminen hinter sich bringen kann. So viel Realismus, vielleicht sogar spröder Charme überrascht, wirkt aber kompetent. Das kann nicht schaden, wenn man selbst in Hochzeitsvorbereitungen untergeht, finden jedenfalls die beiden Kandidaten. Verloren im Chaos der Verpflichtungen, Träume und ehe die Romantik flöten geht.

Ja-Sagen ist das Wichtigste

Oder warum sonst jemand Fremdes die Planung der eigenen Hochzeit überlassen? „Weil man als Braut oder Bräutigam eben keine Zeit hat, sich um irgendwas zu kümmern, außer um sich selbst – oder die Sachen, die man machen muss, nämlich Ja-Sagen“, antwortet die kompetente Blondine prompt. Dann lächelt sie: „Man braucht auch eine Hochzeitsplanerin, damit sich das Paar ganz auf sich konzentrieren kann“, fügt sie noch hinzu. Sie selbst war viele Jahre in der Gastronomie tätig, bevor sie sich vor wenigen Jahren als Hochzeitsplanerin selbstständig gemacht hat. Geheiratet hat sie selbst schon: Die Ehe hält, auch – oder vielleicht gerade weil – sie sie selbst geplant hat.

Verheiratet ist Kruse übrigens mit einem Mann. Und wie ist sie auf die Idee gekommen, Gay-Wedding- Planerin zu werden? „Weil es eine Marktlücke ist“, antwortet sie kurz. Nochmals ein Anlauf, die resolute Romantik-Managerin zu knacken: Warum genau ist es eine Marktlücke? Werden denn da keine Klischees bedient? „Nicht so, wie man sich das vorstellt, mit viel Glitter, Flitter und Schischi und schrill und schräg. Nein, so ist das nicht“, wehrt sie ab. Vielmehr hängt ihr Rezept mit dem Akt der Verpartnerung zusammen, wie das Wort für Gay-Wedding im Beamtendeutsch für gleichgeschlechtliche Ehe lautet, erklärt die Hochzeitsplanerin. Feiern kann man den schönsten Tag im Leben eines Paares ja überall – aber kirchliche Trauungen, die gibt es für Homosexuelle eben nicht. Auf den kirchlichen Segensspruch müssen die schwulen und lesbischen Paare für gewöhnlich verzichten. Sonst findet die patente Vermählungsbeauftragte aber immer eine Lösung.

Für alles eine Antwort

Wer keine Kirche kriegt, aber dennoch eine festliche Zeremonie möchte, bekommt gleich mehrere Orte von der Wedding-Planerin gezeigt. Kruse kennt die Hansestadt gut, kann mit Geheimtipps für jedes Budget aufwarten. Jetzt ist es Vormittag, und Kruse führt gerade das Pärchen durch den Engelsaal in der Hamburger Innenstadt.  Gewöhnlich wird der Saal für Varieté und Theater genutzt, aber die romantische Jugendstilatmosphäre, die Größe des Raumes und das warme, sonnige Licht prädestinieren den Saal geradezu als Ort für eine Vermählung. Die Saalmiete liegt im bezahlbaren Bereich.

Apropos bezahlbar: Wieviel kosten die lieben Dienste der Frau im Dienste der Liebe? Die günstigste, voll durchgeplante Verpartnerung gibt es bei Katja Kruse ab 3000 Euro, „nach oben sind keine Grenzen gesetzt“, erklärt sie und grinst. Das erste Geschäftsjahr sei sehr erfolgreich gelaufen, jeden Monat hat sie ein paar Pärchen sicher in den Hafen der Ehe geleitet. Einmal sogar auf einem Schiff – samt Männerchor. „Das war schon eine sehr spezielle Hochzeit“, erzählt die Hochzeitsplanerin. Sonst sei aber alles ganz gewöhnlich, so wie bei anderen Paaren auch. Wobei, gewöhnlich sind Hochzeiten ja nie. Der Tag der Eheschließung soll doch immer ein ganz spezieller Tag sein.

Jeder Tag ist anders

Das reizt die Norddeutsche auch an ihrem Job. Für sie sind Hochzeiten tägliches Geschäft – für die Paare sind sie es nicht. Und darum ist, egal ob kleine sommerliche Gartenparty zu Studentenpreisen oder exklusive VIP-Vermählung, das volle Engagement und der ganze Einsatz der Hochzeitsexpertin immer inklusive. Alles hört auf ihr Kommando, Katja Kruse hat den Durchblick und immer auch die passende Blume für jedes Paar nebst Schwiegermutter. Denn bei schwulen Paaren gibt es statt des Brautstraußes oft einen oder eben zwei Brautmüttersträuße.

Sag es mit Blumen

Und die findet Katja Kruse oft in ungewöhnlichen Blumenläden, beispielsweise in Seitenstraßen auf dem Kiez. Mit dem Pärchen auf der Rückbank saust die Weddingplanerin in ihrem Auto ab ins Hamburger Amüsierviertel. Es ist früher Mittag, die Karaokebar schläft noch, ebenso der Nachtclub mit den leichten Mädchen. Einige gehen ungeschminkt gerade im Supermarkt an der Ecke einkaufen. Hier will Kruse das feierliche Blumengesteck finden? Schon steigt sie aus dem Wagen, marschiert zielstrebig auf ein kleines Blumengeschäft zu – das Pärchen im Schlepptau.

Drinnen ist es bunt. Grüne schillernde Wandfarbe prallt auf leuchtenden, prächtigen Blütenzauber. Es duftet nach frischen Blüten, nach Wasser und Vasen, ein glitzerndes Windspiel schaukelt verträumt im Fenster, durch das gelbes Sonnenlicht fällt. Im Laden steht eine Frau, die ihrer Kleidung nach zu urteilen eher der Black-Metal-Szene zuzuordnen ist – binnen weniger Minuten hat die Blumenhändlerin aber die passenden Ansteckrosen und die extravaganten und gleichzeitig eleganten Brautmüttersträuße gezaubert. So viel Perfektion macht sprachlos – nur Katja Kruse, die steht daneben und lächelt über die Zufriedenheit der beiden Hochzeitsanwärter. „Es ist nicht immer so, wie man sich das vorstellt“, sagt sie dann.

Mit Rolltreppe und Weddingplanerin in den 7. Himmel

Nun ist es schon fast Mittag, und der dritte Besichtungstermin steht an. Schnell ins Auto und weiter. Die beiden Herren wollen nämlich eine ganz besondere Hochzeitsnacht erleben: In der Wedding-Suite im Möwenpickhotel im alten Wasserspeicher. Ziemlich exklusiv – aber für Hochzeitsplanerin Katja Kruse kein Problem, hier einen Termin zu bekommen. Schließlich ist die Hotelmanagerin eine langjährige Freundin von ihr.

Mit der Rolltreppe geht es ab in die Hotellobby, von hier mit dem Lift in den höchsten Stock. Das Pärchen folgt Kruse trippelnd. Bei so viel Engagement stellt sich die Frage nach Mitspracherecht. „Meine Aufgabe ist es im Rahmen meiner Kunden den Tag so gestalten, dass es der schönste Tag in ihrem Leben ist. Es geht nicht um mich oder das, was ich will. Es geht absolut um das Hochzeitspaar und seine Wünsche“, macht Katja Kruse deutlich. Uff, na dann – schauen wir uns noch die Suite an. „Hier hat man einen ganz wunderbaren Blick über Hamburg. Davon werden Sie in ihrer Hochzeitsnacht vielleicht nicht so viel mitbekommen, aber sicherlich am Morgen danach“, macht Kruse dem Pärchen die Suite schmackhaft. Der Blick über den blauen Himmel von Hamburg stimmt schon mal ein. Wie im 7. Himmel. Ach ja, die Liebe…

Katja Kruse finden Sie im Internet unter www.gay-wedding.de.