War was?

Vollzeit arbeiten, weniger verdienen, und den Haushalt obendrauf

Immer mehr Frauen sind die Haupternährerin der Familie. Ist das die "gelebte Emanzipation"?

Das war es doch immer, was die Frauen wollten: Geschlechtergerechtigkeit - und dazu gehört auch das gleiche Recht und die gleiche Chance darauf, die Familie zu ernähren wie ihre Männer. Tatsächlich scheinen sie genau das geschafft zu haben. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, es gibt mehr Frauen als Familienernährerinnen denn je. Doch von einem Rollentausch der Geschlechter sind wir trotzdem weit entfernt. Der Erfolg ist ein fragwürdiger. Denn häufig finden sich diese Frauen unfreiwillig in dieser Rolle wieder. Weil der Partner arbeitslos wurde oder sehr wenig verdient. Und wirklich wohl fühlen sich die betroffenen Frauen damit auch selten.

Die Gründe sind vielschichtig

Genau das - dass die Frauen sich in diese Rolle eher gezwängt fühlen - wird ihnen sogleich zum Vorwurf gemacht, getreu dem Motto "Ihr wolltet es doch nicht anders. Da seht ihr endlich mal, wie schwer Männer es haben." Doch der wesentliche Unterschied ist: Viele der Haupternährerinnen arbeiten im Niedriglohnsektor und können ihre Familien nur knapp mit ihrem Gehalt über die Runden bringen. Und da trotz Vollzeittätigkeit der Mammutteil der Haushalts- und Erziehungsarbeit dennoch von ihr geleistet wird, sind die Belastungsgrenzen meist erreicht - emotional wie körperlich. Fast schon sarkastisch klingen da Töne wie diese an: "Was die Frauenbewegung in langen Jahren voller Überzeugungsarbeit nicht vermocht hat, schafft nun die Prekarisierung und Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt." So richtig froh macht das nicht.

Und immer wieder "selber schuld"?

Gleichzeitig erhitzt eine andere Studie die Gemüter: Danach sind Frauen bescheidener und mit weniger zufrieden, was ihr Gehalt angeht. "Selber schuld", sagt  hier Gerhard Amendt (und wohl nicht nur er). Doch das zu postulieren, ist fatal. Weil das nichts anderes macht, als die festgefahrenen Rollenvorstellungen weiter zu zementieren. Zudem ist es eine andere Sache, ob ich mit mit dem, was ich bekomme, zufrieden bin - oder ob ich mit der Tatsache einverstanden bin, dass ich weniger bekomme als Männer in meiner Position. (Wieso auch sollten Frauen letzteres gutheißen?) Plausibler ist eine andere Erklärung für ihre scheinbare Zufriedenheit mit dem Gezahlten: nämlich dass die Frau in ihrem jeweiligen individuellen Fall über die höheren Gehälter ihrer konkreten männlichen Kollegen gar nicht Bescheid wissen.