Weibchenschema

Vom Herd an den Rechner

In Berlin gab es eine Überraschung, als das Ergebnis der größten bundesweiten Studie zur Verbreitung des Internets vorgestellt wurde: Nicht nur die hinterwäldlerischen Ossis, die zwar mit Werten von 52,5 bis 55,7 Prozent an Internet-Nutzern bundesweit noch relativ schlecht abschneiden, tauchen immer öfter im WWW ab. Nein, auch die Frauen kennen inzwischen den Weg vom Herd zum Rechner.

Von: Annika Senger, Fotos: photocase.com

vom 03.08.06

Sie scheinen ihn sogar so gut zu kennen, dass sie sich als Internet-Neulinge einen deutlichen Vorsprung vor dem starken Geschlecht errungen haben: Die deutsche Online-Gemeinde ist seit 2005 um rund zwei Millionen Menschen gewachsen – 1,3 Millionen dieser neuen User waren weiblich.

 

Wie soll man dieses allen Erwartungen trotzende Ergebnis interpretieren? Haben die Ehemänner ihren Frauen etwa in der Küche oder im Badezimmer neben dem Kosmetikspiegel einen Computer installiert? Oder treffen sie sich mittlerweile auch schon im virtuellen Raum zum Kaffeekränzchen? Sehr fortschrittlich, wenn man bedenkt, dass die Frau immer noch als technisch unbegabt gilt und Bedienungsanleitungen grundsätzlich mit Angst und Schrecken von sich weist. Aber nein, einer solchen bedarf es noch nicht einmal, um den Sprung ins Netz zu wagen: In der Regel genügt ein Mausklick, und um die Installierung von DSL, ISDN und was auch immer diese mysteriösen Buchstaben bedeuten, soll sich bitteschön der Hausherr kümmern.

 

Vielleicht hat selbiger ja im Vorfeld eine Internet-Seite mit Kochrezepten entdeckt, worauf ihm das Wasser genüsslich im Mund zusammen gelaufen ist. Das animiert ihn wahrscheinlich nach getaner Arbeit zu der sanft formulierten Aufforderung: „Du Schatz, wie wäre es, wenn du dich auch mal mit dem Internet vertraut machst? Ich habe heute zum Beispiel eine tolle Seite mit ganz leckeren Rezepten entdeckt…“

„Oh nein! Ich kenne mich doch mit dem Computer gar nicht aus!“ entfährt es der völlig überrumpelten Hausfee. „Ich weiß noch nicht mal, wo man den anschaltet!“

 

Der gutmütige Ernährer der Familie streicht ihr über das flachsblonde Haupt und beginnt behutsam zu erklären: „Das da ist der Anschaltknopf. Wenn du den drückst, fließt Strom, und dann musst du warten, bis der Rechner hochgefahren ist.“


Unsere lernwillige Ehefrau ist begeistert von der fantastischen Welt, die ihr kluger Gatte ihr soeben eröffnet hat – besonders von der Fülle an Kochrezepten und Kosmetikseiten. Am nächsten Morgen ruft sie sofort ihre beste Freundin an; so viel neues Wissen will sie ihr auf keinen Fall vorenthalten.

 

Schnell nimmt das Unglück seinen Lauf, wie auch die Studie bewiesen hat: Die Damenwelt bevölkert das Internet, stellt sogar ihre eigenen Zeitschriften ins Netz, um die Herren der Schöpfung endgültig mit ihrer Klein-Mädchen-Denkweise zu infiltrieren. Und das nur, weil ein von der Arbeit erschöpfter Ehemann sich ein schmackhaftes Essen gewünscht hat!