Anderswo

„Von-der-Leyen-Väter“

Heute an der Wickelfront, morgen wieder am Arbeitsplatz. Und nach der Elternzeit ist alles wie gehabt? Eine Lösung könnte heißen: Teilzeit für beide.

Heutige Väter sind „tolerant und einfühlsam, sie denken mit und packen an, sie können kochen und wissen, wo das Waschmittel steht. Und das unterscheidet die meisten von ihnen von den meisten ihrer Väter.“ Ja, sie sind bessere Väter, das möchte ihnen niemand absprechen. Sie sind engagierter als unsere eigenen Väter. Doch trotzdem mutet ihre Elternzeit nach nicht viel mehr an als einem symbolischen Akt. Denn 2 bis maximal 14 Partnermonate (die das Elterngeld finanziert, um auch Vätern die Familienarbeit schmackhaft zu machen) sind bei aller Euphorie angesichts der Erziehungsarbeit, die es braucht, bis ein Kind groß und selbstständig geworden ist, eben nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Engagement, für das der Papa allerorts anerkennendes Schulterklopfen erntet. Während für Mama jahrelang nichts mehr so ist, wie es war. Oder wie es Jana Hensel in der ZEIT ONLINE auf den Punkt bringt: „Für sie (die Väter) gilt: Nach der Elternzeit ist vor der Elternzeit. Das Leben der Mütter unterdessen wurde binnen eines Jahres auf den Kopf gestellt.“


Damit auch ihre Partnerinnen von der neuen Entwicklung profitieren, braucht es etwas mehr. Dafür braucht es ein echtes Einlassen, auch wenn es Einschnitte und Kompromisse nach sich zieht. Jana Hensel sagt, es braucht „reale Väter“. Und die kann es nur geben, wenn flexible Teilzeitlösungen, Zeitkonten und Tele-Arbeit nicht nur für Frauen gedacht sind, nicht vornehmlich von Müttern in Anspruch genommen werden, sondern von Männern ebenso.


Hm, das ist Jammern auf hohem Niveau? Das zeigt, den Frauen kann es einfach niemand recht machen? Die sollten doch wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie Kinder kriegen – das kann nun mal eben nur die Frau? Da schieben die Frauen nur die Schuld „mal wieder“ den Männern zu und sehen sich selbst als Opfer? Das sind Gegenargumente, die überall üblicherweise zu finden sind – auch zuhauf in den Kommentaren zu Hensels Artikel. Doch was hilft das schon? Wenn die Mütter mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind? Wenn Beziehungen zerbrechen und Familien?


Was also könnte besser funktionieren? Ein echtes Umdenken nicht nur bei den Vätern, sondern vor allem in der Wirtschaft, in den Betrieben, die sie beschäftigen. Wenn Vater und Mutter Teilzeit arbeiten, kommt mindestens dasselbe heraus, wie wenn nur einer Vollzeit arbeitet. Denn dass Teilzeitkräfte in ihrer Arbeitszeit effizienter sind und zwei Teilzeitkräfte unterm Strich sogar mehr leisten als eine Vollzeitkraft, beweisen Studien schon längst. Wenn also mehr Jobs in Teilzeit möglich wären, ohne dass dies der Karriere schadet, könnten beide Eltern in Teilzeit gehen, während die Kinder klein sind, und sich so die Erziehungsaufgaben fair teilen. Das geht nur, wenn niemand Angst um seine Stellung haben muss, der sich für Teilzeit entschließt. Sogar die Betriebe könnten davon profitieren. Mutige Männer arbeiten Teilzeit. Es gibt sie schon. Doch machen wir uns nichts vor – damit es mehr von ihnen geben kann, braucht es schon eine kleine Revolution. Noch gilt in den meisten Unternehmen: „Karriere wird nach 18 Uhr gemacht.“