Kerle & Küche

Von Goldfischen und Schlemmerfilets

Mein Neffe war wohl so ungefähr drei Jahre alt und robbte mit ruckartigen Bewegungen auf dem Parkettfußboden umher. Er spielte offensichtlich, er sei ein Fisch. Nur was für einer, fragten wir? Etwa ein Hai? Ein Lachs? Oder ein Delfin? Nein, entgegnete mein Neffe. Das alles sei er nicht. Er sei ein Schlemmerfilet.

Nach dieser Einleitung schwant einem Böses, nämlich dass hier eine dieser kulturpessimistischen Litaneien über die Verelendung der kulinarischen Sitten folgen könnte. Doch weit gefehlt, denn erstens ist in dem Haushalt, in dem mein Neffe prächtig gedeiht, Schmalhans ebenso wenig Küchenmeister wie Käpt’n Iglo, und zweitens ist, bis auf den nicht eben appetitanregenden Namen, gegen ein gelegentliches Schlemmerfilet nichts einzuwenden – wie überhaupt gegen so manche Segnung der schnellen Tiefkühlküche nicht.

Für das Gericht, das ich hier anpreisen möchte, greife ich auch meist in die Tiefkühltruhe, um nach praktisch portioniertem Wildlachsfilet zu fischen. Und schnell gehen darf es auch in meiner Küche gern, zumal im Alltag. Deshalb schätze ich Rezepte wie dieses: keine komplizierten Zutaten, schnell zubereitet – und doch geeignet, eben diesen Alltag mit einem sicher gezogenen, geschmackvollen Goldrand zu verzieren.

Das Gold, von dem hier die Rede ist, heißt Safran und ist im Gewürzregal so ziemlich jeden Supermarkts zu finden. Sein Preis pro Kilogramm ist übrigens angeblich weitaus höher als der des echten Edelmetalls, dafür kommt man aber auch mit der beinahe homöopathischen Menge aus, die sich in einem der handelsüblichen Päckchen befindet. Die paar Euro, die man für ein solches Päckchen zahlen muss, sind jedenfalls goldrichtig angelegt, denn sie verleihen dem Lachs nicht nur eine wunderbar goldgelbe Farbe, sondern auch einen höchst köstlichen Geschmack, der (zumindest bei uns zu Hause) auch bei der Fischstäbchenfraktion bestens ankommt. Hätte seine Familie damals dieses Gericht gekannt, vielleicht hätte mein Neffe dann gespielt, er sei ein Goldfisch.


Lachsfilet in Safransauce mit Zucchini

Zubereitungszeit: ca. 30 Minuten (ggf. zzgl. Auftauzeit)
Rezept für 4 Portionen

Zutaten:
2-3 Zucchini (ca. 400 Gramm)
1-2 Esslöffel Olivenöl
1 Knoblauchzehe
Zitronensaft
Salz und Pfeffer
4 Portionsstücke Lachsfilet (frisch oder TK)

Für die Sauce:
2 EL Butter
1 EL Mehl
1 Päckchen Safran
300 ml Hühnerbrühe
150 ml Crème légère (oder Crème fraiche)
1 TL Zitronensaft
Salz und Chilipfeffer oder Cayennepfeffer

Falls Sie tiefgekühlten Lachs verwenden (was hervorragend geht), sollte dieser im Vorfeld aufgetaut werden.

Den Fisch mit kaltem Wasser vorsichtig abspülen und mit Haushaltspapier abtupfen. Beiseite legen.

Die Zucchini gut waschen und in dünne Scheiben schneiden, den Knoblauch fein hacken. Eine halbe Zitrone auspressen. Das Öl in einer großen Pfanne erhitzen, den Knoblauch und nach etwa einer halben Minute die Zucchini hinzufügen und auf mittlerer Hitze anbraten, bis die Zucchini weich ist, aber noch Biss hat. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken (es sollte 1 TL Zitronensaft für die Sauce übrig bleiben!).

In einem Topf Butter zerlassen und darin Mehl und Safran anschwitzen. Unter ständigem Rühren nach und nach mit der Hühnerbrühe ablöschen, so dass eine glatte Sauce entsteht. Die Crème légère unterrühren und mit Salz, Chilipfeffer und Zitronensaft abschmecken. Die Fischfilets vorsichtig in die Sauce legen und das Ganze bei Niedrighitze rund gut 5 Minuten brutzeln lassen.

Dazu passt Basmatireis.

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Jonas Larsson kocht gern und lebt mit Frau und Kindern in Berlin.

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::