War was??, War was?

Wal Mart gegen 1 Million Frauen

So billig wie Wal Mart derzeit seine Ware unters Volk bringt, wird der Einzelhandelsgigant wohl nicht davon kommen. Denn der Sammelklage von 7 Frauen gegen Wal Mart wurde stattgegeben. Und fast 1 Million Frauen könnten sich anschliessen.

Darf man als Arbeitnehmerin gegen seinen Arbeitgeber vor Gericht gehen, wenn  infolge dieser Klage die Firma Pleite gehen könnte und alle Arbeitnehmer zu Arbeitslosen werden? Diese Frage stellte sich Betty Dukes offenbar nicht, als sie im Jahr 2001 ihre Klage gegen den Einzelhandelsgiganten Wal Mart einreichte. 6 weitere Frauen schlossen sich unmittelbar an. Grund der Klage waren die deutlich schlechtere Entlohnung gegenüber männlichen Angestellten und die klare Bevorzugungen der Kollegen bei Beförderungen. Da nun das Bundesberufungsgericht in San Francisco in knapper Mehrheitsentscheidung der Fortführung als Sammelklage zustimmte, wird es jetzt an den 500.000 bis 1 Million Mitarbeiterinnen weltweit liegen, wie viele Rückstellungen Wal Mart für die Zukunft tätigen muss.

 

Die Zeit ist denkbar ungünstig für den Konzern - die Wirtschaft berappelt sich wieder allmählich. Aber die Konjunktur für Billiganbieter kommt zum Erliegen, weil den Leuten wieder mehr Geld lose in der Tasche steckt als noch zu Jahresbeginn. Doch während die Spekulationen über Milliarden von Schadensersatzzahlungen die medialen Gemüter erhitzen, bleibt eine Frage offen: Darf man bzw. Frau oder nicht? Betty Duke strengte eine vollkommen berechtigte Klage an - geschlechtsabhängige Bezahlung ist dermaßen "Old School", dass ein Schadensersatzprozess schon wie ein Anachronismus wirkt. Fast möchte man rufen: Hallo, in welchem Jahrhundert leben wir denn! Gleichzeitig können im Zeitalter ungebremster Rendite-Phantasmen einige Milliarden Dollar oder Euro so nebenher einen Konzern in einen Sog unerfüllter Verbindlichkeiten stürzen - und Staatshilfe für diese Art Diebstahl ist (hoffentlich - Gott sei Dank) politisch oder wie auch immer nicht vermittelbar.

 

Sind dann die Klagen der Frauen, jeder Einzelnen, zu rechtfertigen? Oft enden Schadensersatzklagen in den USA mit außergerichtlichen Vergleichen. Der eine zahlt, die andere hat ausgesorgt - zumindest bis zur nächsten Inflation. Vielleicht kommt es diesmal auch ganz anders: Der Prozess wird zum Ende geführt - und im Ergebnis ist die Geschlechtergerechtigkeit in der mächtigsten Demokratie des Planeten verfassungsfähig.