Anderswo

Warum schöne Frauen nicht arbeiten müssen

… und warum Männer, die das glauben, sich die Einschalt-Quotenfrage stellen lassen müssen.

Frauen verdienen in Deutschland noch immer viel weniger als Männer. Darauf hat auch gerade wieder das Statische Bundesamt mit einer Erhebung hingewiesen: Die Gehaltsschere, die zwischen den Geschlechtern klafft, liegt heute im Durchschnitt bei 24 Prozent – selbst im europäischen Vergleich ist das sehr viel. Zwar haben Länder wie Estland, Zypern oder die Slowakai mit ähnlich hohen Zahlen zu kämpfen. Aber ein Lohngefälle wie dieses in einem Land wie unserem – ein Skandal?

Ganz im Gegenteil, findet der Journalist Michael Klonovsky. Er hat einen Beitrag zum Thema verfasst, der vor kurzem im Deutschlandradio Kultur zu hören war und dessen muntere Polemik einen sprachlos machen kann: „Wer gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordert, müsste zunächst einmal die gleiche Arbeit leisten (...). Dies tun Frauen aber – gottlob – nicht“, so meint Michael Klonovsky.

Eine Behauptung, die genauso luftig daher kommt wie alles andere, was nun folgt: Männer veranstalteten Pinkelwettbewerbe, Frauen wäre das zu albern. Die bekommen stattdessen Kinder, sind also einfach cleverer – und hätten entsprechend auch gar kein Interesse daran, sich auf dem Arbeitsmarkt von heute so zu entblöden, wie es die Männer tun. Sich tot schuften? Da würden Frauen es vorziehen, sich lieber „mitfinanzieren“ zu lassen:

„Dies wiederum kann eine Frau von einem Mann sehr leicht fordern, und so läuft es ja gemeinhin. Jedenfalls kommt es zigtausendfach vor, dass er sie (teilweise) mitfinanziert, umgekehrt aber recht selten, weshalb speziell schöne Frauen eher wenig arbeiten.“

So blendet man natürlich vieles geschickt aus. Zum Beispiel auch die Frage, was eigentlich Männer bekommen, wenn sie zu Vätern werden … pflegeleichte Hamsterbabys? Und überhaupt: Erstaunlich, wie taub und blind der Autor sich hier stellt. Denn vermutlich kennt auch er die Erhebungen, die andeuten, dass es nicht immer nur die Familienarbeit ist, die Frauen schnell um ein berufliches Einkommen bringt. Nein, in manchen Branchen ist es auch üblich, Frauen nach wie vor einfach schlechter zu bezahlen, auch wenn sie das gleiche leisten wie die männlichen Kollegen.

Soll man einen Beitrag wie diesen, der nur böse Klischees aufruft und ansonsten wenig an Einsichten bringt, überhaupt zur Kenntnis nehmen? Es spricht einiges dafür. Denn was ihn zum Ärgernis macht – sozusagen über sich selbst hinaus – ist doch, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wie das Deutschlandradio Kultur meint, sich einen solchen Journalismus leisten zu können. Gab es denn da keine Kollegin, die gerne zur Feder gegriffen hätte? Und die eine bessere Leistung zu Papier hätte bringen können – für das gleiche Entgelt zur Not auch nur?

Den Beitrag, den Michael Klonovsky für das „Politische Feuilleton“ des Deutschlandradio Kultur verfasste, finden Sie mit einem Klick hier.