War was?

"Was das angeht, sind wir in Deutschland nicht gerade top!"

Dieser Ausspruch der Kanzlerin vor kopftuchbekleideten Frauen in Saudi-Arabien könnte für Irritation sorgen. Die Aufstiegschancen für weibliche Führungskräfte waren gemeint. Doch im allgemeinen Getöse der lokalen und globalen Krisen ist die Stimme der Kanzlerin ein leises Murmeln im Abendwind.

Zuallererst ist da natürlich Roland Koch zu nennen, Ministerpräsident a.D. in Lauerstellung. Der Inbegriff des testosteron-gelenkten Politikers hat in brutalstmöglicher Aufklärungsgeste die deutsche Öffentlichkeit von der Niederlegung seines Amtes und seiner Politikerkarriere informiert. Dass Roland Koch ein Dauerrivale Angela Merkels war, wird nur von gegnerischer Seite kolportiert. Ihr tiefes Bedauern in der Wüste Saudi-Arabiens erschien dann aber deutlicher denn je als geschickte und aller Wahrscheinlichkeit nach mit Roland Koch abgesprochene Ausweichbewegung auf mögliche Grabenkämpfe innerhalb der CDU. Nun könnte man meinen, ein Mann an der Spitze weniger - auch eine Art, der Geschlechtergerechtigkeit Genüge zu tun.

 

Zwei andere Ereignisse, die, wie man früher gesagt hätte, den ganzen Mann erfordern, haben den Kampf des Menschen mit seiner Unzulänglichkeit und Anmaßung zum Gegenstand. Während die Angestellten des BP Konzerns versuchen, ein Loch in der Erde zu stopfen, wünschten sich die Betroffenen der Überschwemmungen an Weichsel, Oder und Neiße ein Loch, in das der Überfluss des ansonsten lebensspendenden Wassers geschwind abfließen könnte. Zugegeben, im Golf von Mexiko hätte es unsere Kanzlerin schwer, gegen den Chef-Controller Barack Obama anzustinken. Aber irgendwie würde es besser zur Kanzlerin des kommenden Elektroautos passen, die Ölquellen zu stopfen, als Ölquellen zu akquirieren. Sei's drum. Durch ihr Treffen mit Unternehmerinnen aus Saudi-Arabien zeigte unsere Kanzlerin, dass ihre Prioritäten nicht nur in der schnöden Absicherung benzingetriebenen Individualverkehrs in Deutschland liegen. Und da sie gestern wieder in die heimatlichen Gefilde zurückgekehrt ist, kann sie immer noch in den Kampf um den Titel "Deichgräfin von Ostdeutschland" eingreifen.

 

Bleibt nur noch die Frage: Wollte die Kanzlerin uns (denn niemand anderes als wir waren gemeint) damit sagen, wir wären nicht top? Oder ist es doch ganz anders, und sie wollte den Frauen Saudi-Arabiens in solidarischer Geste anzeigen, dass die Erfolge bei der Gleichstellung der Frau in ihrem Land durchaus vergleichbar sind mit denen in Deutschland? Oder war es nur ein schnell gesprochener Nebensatz zu den Bemerkungen des saudischen Chefs der Handelskammer, man müsse den Frauen ja nicht alles glauben, was sie zu beklagen hätten?