Wissenswertes

Was gibt’s denn hier zu lachen?!

Die Wissenschaft des Lachens, auch Gelotologie, ist noch recht frisch und wird noch nicht lange "Ernst genommen". Und das obwohl sich Verhaltensbiologen, Psychologen und Mediziner damit befassen und sich schon seit frühester Zeit die Philosophen darüber den Kopf zerbrochen haben. Denn das Interesse, mehr über das Lachen herauszufinden, ist groß. Woran erkennt man ein echtes Lachen? Was bewirkt ein herzhafter Lachanfall in unserem Körper? Was ist eigentlich Humor? Und lachen Männer und Frauen anders?

Der Deutsche lacht durchschnittlich sechs Minuten am Tag – was eigentlich reichlich wenig scheint. Erschrocken packen wir uns an die eigene Nase, schauen in den Spiegel und fragen uns: Sind wir wirklich eine so humorlose Nation? Dabei ist es doch gar nicht so schwierig.


Ein echtes Lachen ist leicht zu erkennen: Der Ringmuskel (musculus orbicularis oculi) um die Augen zieht sich zusammen und die Mundwinkel (musculus zygomaticus major) heben sich. Außerdem wird ein herzhaftes Lachen zum Ende hin immer leiser. Fertig ist das perfekte Lachen! Bei einem klassischen Servicelächeln bewegt sich hingegen nur die untere Gesichtspartie.


Wer häufig herzhaft lacht, tut sich und anderen dabei Gutes. Das echte Lachen wirkt beim Zuhörer aggressionshemmend und trägt zur körperlichen Entspannung bei. Auf Grund des letzteren Aspekts wurde durch einen indischen Arzt auch das Lachyoga erfunden, das mittlerweile sogar in Deutschland (wo nur so wenig gelacht wird) viele Anhänger gefunden hat.


Dass Frauen mehr lachen als Männer, ist wissenschaftlich bewiesen und erstmal keine besondere Erkenntnis. Aber wie und warum lachen Frauen? Dafür hat sich die Linguistin Barbara Merzinger, die als Sexualberaterin in Berlin arbeitet, interessiert. In ihrer Studie „Das Lachen von Frauen im Gespräch über Shopping und Sexualität“ befragte sie 34 Frauen im Alter von 18 bis 81 Jahren – mit erstaunlichen Ergebnissen.


Früher galt noch ein lautes Lachen einer Frau als vulgär und wurde mit sexueller Offenheit gleichgesetzt. Man hielt sich deshalb selbst beim Lachen an einen strengen Verhaltenskodex, der sich erst ab den Siebziger Jahren durch die feministische Frauenbewegung änderte. So ist es wenig verwunderlich, dass die, die zu jener Zeit junge Mädchen waren – also die jetzt 40jährigen – ,heute am offensten lachen, wie die Untersuchung von Merzinger ergab. Ebenfalls auffällig ist, dass heute 60jährige beim Lachen sehr zurückhaltend und noch immer durch die alten Wertevorstellungen geprägt sind. Hingegen lacht die jüngere Generation bis einschließlich des 30. Lebensjahres am häufigsten und ohne jede Scheu.


Frauen setzten ihr Lachen unbewusst, aber sehr gezielt ein. So lachen Frauen gleich zu Beginn eines Gespräches. Dadurch signalisieren sie: Ich bin entspannt und gesprächsbereit, also erzähl mir ein paar Takte aus deinem Leben!

Ebenso fand Merzinger heraus, dass Lachen zur Gliederung und zur Akzentuierung eines Gespräches dient. Und natürlich wird zum Abschied auch noch einmal herzlich gelacht, weil das Verbundenheit schafft!


Frauen liegt viel daran, gemeinsam zu lachen: weil es die Atmosphäre behaglicher macht und die Distanz zwischen den Gesprächspartnern abbaut. Ausserdem benutzen Frauen ihr Lachen zur Bewältigung von schwierigen Situationen.


Der wesentliche Unterschied zwischen den Geschlechtern in Sachen Humor ist: Frauen lachen miteinander und Männer übereinander.

Frauen lachen am meisten über sich selbst und ihre Fehler. Sie sind selbstironisch und können gemeinsam über ihre eigenen Schwächen witzeln und lachen. Bei Männern wird der eigene Humor eingesetzt, um sich zu profilieren und zu präsentieren. Schon in der Grundschule messen sie sich an Hand ihrer Sprüche. Sie sehen sich gegenseitig als Konkurrenten, und so entsteht ein aggressiver und scharfer Humor.


Außerdem ist die Liebe bei Männern zu einem vorgefertigten Witz nach wie vor sehr groß, ergaben Umfragen. Doch was, wenn dieser nicht zündet - wer hält die Stille wohl besser aus oder lädt nach, Mann oder Frau? Nun, darauf hat die Wissenschaft noch keine Antwort.


Übrigens: In Portugal lacht man bzw. frau ganze 18 Minuten am Tag. Na, da haben wir wohl noch einiges aufzuholen.

Also dann mal: Weg mit der falschen Zurückhaltung. Auf die Plätze, lachen, los!