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Hallo Schlamassel!

Wer kennt das nicht: Das Familienleben balanciert mal wieder zwischen Auf und Ab – und wer jetzt keinen schwindelfreien Humor hat, kann einpacken! Magdi Aboul-Kheir erzählt von seinem Alltag als Vater: „Papa fertig“ heißt doppeldeutig das Buch, das voller Situationskomik und Sprachwitz steckt.

Moderne Väter an der Erziehungsfront? Sind doch Supertypen! Zumindest manchmal. Hin und wieder nämlich sind sie auch nur das, was auch Mütter sind, wenn nichts mehr geht: am Ende. Mit den Nerven, dem Kind und allem Erziehungslatein. Eine Situation, die Magdi Aboul-Kheir vertraut scheint:

„Putz dir die Zähne! Zieh dich um! Geh ins Bett!“ beschwört der Autor in einer seiner Geschichten etwa die kleine Tochter, die genau das nicht will: so wie der Papa. Hilft also alles nichts? Und muss der „schreckliche Gönk“ erst noch kommen und allen Starrsinn … „huhuhuuuh“ … vertreiben, wie der Vater droht!?

Wer an unheimliche Monster so wenig glaubt wie an die Trickkisten rabenschwarzer Pädagogik, wird mit den Einfällen dieses Autors sicher viel Spaß haben. Kinder im Alter von vier Jahren aber: schreien! Und zwar erst recht und für den Rest eines Abends, wenn zu falscher Stunde jemand auf die aberwitzige Idee kommt, einen Gönk zu erfinden. 

Eigentor! So muss sich auch Magdi Aboul-Kheir eingestehen, der mit „Papa fertig“ ein amüsant-kluges Elternbuch veröffentlicht hat. Darin wird gezeigt, wie man Pleiten und Pannen, die jeder Erziehungsalltag kennt, geschickt wenden kann – zumindest als raffinierter Autor mit humorvollen Volten zum Guten. Denn schließlich, so vermittelt einem Aboul-Kheir, sind doch auch Reinfälle nur ein schöner Anlass, mal wieder in den Spiegel zu blicken: 

„Erziehen ist nicht zuletzt eine Auseinandersetzung mit sich selbst, zuweilen ein Kampf mit den Prägungen und Programmen tief in uns drin“, reflektiert der Journalist, der als Kulturredakteur bei einer Ulmer Tageszeitung arbeitet. In seinem Leben mit zwei Töchtern erfährt er tagtäglich, wie sich Sichtweisen ändern, wenn Kinder beginnen, unsere Maßstäbe neu zu justieren. Manchmal auch mit Geschrei vom Klo: „Papa fertig!“ Papa Pause? Keine Chance.  

Poabwischer, Krisenmanager, Brotebeleger. Das sind nur einige der vielen Low-Budget-Glanzrollen, in denen Eltern bekanntlich rund um die Uhr bestehen müssen. Gar nicht so leicht, findet auch Magdi Aboul-Kheir, der aber dennoch in seinem Buch alles, was an den Nerven sägt, mit wunderbarer Leichtigkeit nimmt. Und dazu noch mit einem Witz, der mal höchst skurril, mal unverblümt derb, dann wieder augenzwinkernd böse daherkommt. 

Dabei richtet der Autor übrigens seinen Blick auch auf manch absurden Konsum-Hokuspokus und Event-Trash unserer Tage rund um das Projekt Kind&Co. Treuepunkte schon für das Neugeborene? Eine Geburtsfeier im Wild-West-Dorf, möglichst mit Mietgespenst oder mit Clown oder doch lieber als „Space-Piraten-Party“? Nun gut. Ist alles möglich. Doch für Magdi Aboul-Kheir auch ein Grund, sich anderswohin zu denken. Zu Topfschlagen und Sackhüpfen und Luftballons „in erdnaher Umlaufbahn“ etwa. Oder zu Bonusmeilen für Leute, die einen Kinderwagen schieben. Und zu einem Motto für die eigene Elternrolle, das anders lauten möge als das gültige: „No sex, no drugs, nur Rolf Zuckowski“.