Weibchenschema

Was wissen schon die Frauen?

„Frauen in der Wissenschaft – Stieftöchter der Alma Mater?“

Die TU Dresden feiert 100 Jahre Frauenstudium.

Ein bisschen ist es wie bei der Übergabe des olympischen Feuers: An vielen deutschen Universitäten darf in den letzten Jahren reihum aus gleichem Anlass gefeiert werden - es geht um ein Jubiläum der besonderen Art: 100 Jahre der Erstzulassung von Frauen zum Studium. Im November dieses Jahres ist nun die Technische Universität Dresden dran. Wir gratulieren! Und machen ein Fass auf!


Erinnern wir uns: Es war alles, nur nicht selbstverständlich, dass Frauen studieren durften. Nicht nur, weil vor hundert Jahren man noch fand, frau habe primär ihre Pflichten an Herd und Heim zu erfüllen. Nein, man stritt damals auch ernsthaft darüber, ob Frauen von ihrer Gehirnstruktur und körperlichen Verfassung her überhaupt für ein Studium geeignet wären (wie die Diskussion im Jahr 1915 um den Habilitationsantrag Emmy Noethers – der Mutter der modernen Algebra – schonungslos aufzeigt).

 

 
 „Es fehlt dem weiblichen Geschlecht nach göttlicher und natürlicher Anordnung die Befähigung zur Pflege und Ausübung der Wissenschaften und vor allem der Naturwissenschaften und Medicin.   ...
Die Überladung des ärztlichen Standes mit unbefähigten halb-gebildeten weiblichen Handwerkern , wie sie allein von dem weiblichen Geschlecht zu erzielen sind, hemmt und stört die Fortbildung der ärztlichen Wissenschaft und Kunst auf das Schädlichste.
Diese Überladung mit weiblichen ärztlichen Handwerkern, unter gleichzeitig unausbleiblicher Verdrängung männlicher Ärzte, gefährdet das sanitäre Wohl des Staates im Frieden und im Krieg auf die bedenklichste Art,“

sagte Th. W. Bischoff (1807 – 1882), Anatom und Physiologe, der mit seinem Buch „“Das Studium und die Ausübung der Medicin durch Frauen“ (1872) lange Zeit die Diskussion über das Frauenstudium beeinflusste.

 

 

Erst um die Jahrhundertwende wurden nach und nach an deutschen Hochschulen Frauen zum Studium zugelassen. Die Universitäten waren eine reine Männerwelt und die Frauen hatten mächtig für eine Öffnung derselben zu kämpfen. Heißt das, es ist längst Vergangenheit, dass Frauen an Hochschulen Exoten sind? Es kommt drauf an.


Die nackten Zahlen bescheinigen eine ordentliche Wegleistung. Der Anteil der Frauen unter den Studienanfängern macht heute knapp die Hälfte aus. „Beim Zugang zum akademischen Milieu herrscht nahezu Gleichberechtigung“, schreibt auch DIE ZEIT. Doch das ist noch wenig Grund zum Jubeln, denn auf den zweiten Blick und nach oben wird’s stetig dünner: Der Frauenanteil unter den Promovierten liegt mit knapp 40 Prozent schon deutlich darunter. Noch weniger werden es bei den Habilitierten: Unter den Professoren sind nur noch 12,8 Prozent weiblich und auf den gut bezahlten C4-Lehrstühlen sitzen gerade einmal 9,7 Prozent Frauen.


An was liegt das? An der allerorts bemängelten fehlenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Nun, hier alleine kann der Hund nicht begraben sein. Gerade in öffentlichen Einrichtungen wie bspw. den Hochschulen sind die institutionalisierte Frauenförderung und praktizierte ganzheitliche Kinderbetreuung meist vorbildlich. Nein, es findet dort eher eine „weiche Diskriminierung“ statt – eine, die sich nicht offen vollzieht und den Beteiligten selbst gar nicht sonderlich auffällt. Soll heißen: Frauen werden leichter übersehen, weniger zitiert, seltener während des Studiums ermutigt, universitäre Karriere zu machen und sich um höhere Posten zu bemühen. In den Ritualen, Zirkeln und Strukturen der Universitäten fühlen sich Frauen weniger wohl und zuhause als ihre männlichen Kommilitonen. Mit dem Effekt, dass sie weniger beachtet werden. (Hierzu mehr in einer Studie von CEWS und Robert-Bosch-Stiftung.)


Doch Stopp! Gefeiert werden sollte in Dresden trotzdem. Es geht bei derlei Festakten und Tagungen weniger darum, die ungleiche Teilhabe von Männern und Frauen in der Wissenschaft zu beklagen und zu bejammern. Es soll vorrangig – ja, und hierzu sind Rückblicke erlaubt – gezeigt werden, was die Frauen erreicht haben und vor allem, wie ihnen das gelang.


„Geglückte Eroberung“ heißt deshalb beispielsweise ein Vortrag am 1.Tagungstag in Dresden. Natürlich dürfen hier die berühmten unter den Wissenschaftlerinnen und Absolventinnen der TU Dresden nicht fehlen. Doch werden ebenso die Lebensläufe von Nobelpreisträgerinnen exemplarisch vorgestellt wie Akademikerinnen in Ostdeutschland mit denen in Westdeutschland verglichen werden.

Der 2.Tagungstag gehört dann verstärkt der Thematisierung der Herausforderungen, die noch vor den Uni-Frauen auf dem Weg zu echter „Geschlechtergerechtigkeit“ liegt.


Vielleicht trägt ja damit die Tagung auch dazu bei, dass nicht nur die Ungerechtigkeit eines zu geringen Frauenanteils in der Wissenschaft zu Wort kommt, sondern auch das noch brachliegende Potential zur Sprache. Das sind dringend benötigte Talente – die ungenützt bleiben, wenn die „Stieftöchter der Alma Mater“ nicht aufbegehren, aufstehen und in die Puschen kommen.


Lust hinzugehen? Die Dresdner Tagung möchte explizit auch eine interessierte außeruniversitäre Öffentlichkeit ansprechen – es geht um Barrieren und Perspektiven von Frauen in der Wissenschaft, und jeder, der mit dabei sein möchte, ist gerne gesehen.


Adresse, Website, Kontaktdaten

Die Tagung „Frauen in der Wissenschaft – Stieftöchter der Alma Mater?“ am 2. und 3. November 2007

findet statt im Festsaal des Rektorats, Mommsenstraße 11, 01069 Dresden

www.frauenbildung-dresden.de

Anmeldung bei Frau Dr. Hildegard Küllchen, Frauenbeauftragte, Tel: 0351-463 33415 oder 463- 36423 (Sekretariat), email: kuellchen-FB(at)mailbox.tu-dresden.de