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Weihnacht

Es war einmal...

Eine einsame Berghütte im Schnee.

Im Kamin knistert das Feuer.

Er

legt gerade einen Holzscheit nach.

Sie

blickt ihn an,

verlockend warmweichgelocktes Fell vorm Kamin

lockt zu Unverfrorenem...

Doch nein,

die Tür geht auf,

es strömen herein

zwei, drei niedlich allerliebst goldgelockte Kinderlein,

springen umher in fröhlicher Ausgelassenheit,

nicht ohne Bedachtsamkeit,

eine Art heiliges Strahlen geht von ihnen aus,

das Leuchten in ihren Augen verrät ehrfürchtige Erwartung,

ihr Blick wandert

zum mit Kerzen erleuchteten,

mit Äpfeln geschmückten,

von ihm

heut morgen frisch aus dem Walde geholten

wunderbar duftenden Tannebaum.

Sie halten inne.

Der Mann holt die Laute hervor

und in vollkommener Eintracht

singen sie die „Stille Nacht“ gemeinsam,

fassen sich an den Händen,

Tränen in den Augen

entfalten sie ihre Geschenke,

Kinder freuen sich über die selbstgewerkelte Puppe

und das Spielzeugauto,

er

über ein neues Hemd

und sie,

verstohlen reicht er ihr ein kleines Paket,

zerfließt im Anblick eines kleinen,

in Gold gefassten Smaragden.

Sie streift das Ringlein über ihre schöne Hand,

blickt ihn an

und ihr Kuss verrät

die wundersame Nutzung des Kaminvorlegers

nach dem Abendessen,

wenn Truthahn und Puddinggefüllte Kinder

endlich selig

in den nächsten Weihnachtsmorgen hineinträumen...

 

Dann kommt noch der Colaweihnachtsmannlastwagen

und alles ist so,

wie es sein sollte.

Am nächsten Tag vielleicht noch ein paar nette Nachbarn

oder irgendeine Bilderbuchoma,

die den Kindern aus den Bilderbüchern liest,

der Opa spielt mit der Eisenbahn,

eine Tante hilft beim kochen und backen,

so dass auch die neuberingte Hausfrau

sich nicht allzusehr die Hände schmutzig machen muss.

Ein kleines Scherzen,

Ein Kugeln im Schnee,

die Rehlein im Walde

bekommen ihr Stroh,

ein Gläschen in Ehren

und alle sind froh.

 

Wenn man Glück hat,

kommt an Weihnachten

son Film im Fernsehen.

Da weiß man dann,

wies eigentlich zu sein hat.

Weils aber n Film is,

brechen dann

in diese realamerikanische Wirklichkeit

irgendwelche Gangster oder Aliens

oder Riesenspinnen ein,

damits dem Zuschauer nich zu langweilig wird

und man sich,

wenn man dann abgeschaltet hat,

in der eigenen Realität

zufrieden zurücklehnen kann.

In der Gewissheit,

dasses zwar nich so schön,

aber Gottseidank

auch nich so alienverseucht

schlimm

ist.

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Der Text stammt aus dem aktuellen Weihnachtsprogramm der Berliner „Seelenkomödiantin“ „La Lotte“. Lotte, die mit bürgerlichem Namen Anke Loettel heißt, ist über Umwege zur One-Woman-Show gekommen.
Nachdem sie die Pantomime bei Ladislav Fialka in Prag gelernt hatte, machte sie schon zu DDR-Zeiten „Freies Theater“, das man natürlich damals nicht so nennen durfte. Nach der Wende studierte sie Schauspiel, arbeitete erst als freie Regisseurin und Schauspielerin und später als Coach in einer von Frauen geführten Unternehmensberatung. Seit ein paar Jahren lebt sie vor den Toren Berlins und findet so inmitten der Natur Zeit und Muße, ihre eigenen Stücke zu schreiben.
Als eine Mischung aus Marcel Marceau und Marlene Jaschke tritt sie auf privaten Feiern und auf Berliner Kleinkunstbühnen auf. Dabei wechselt sie unter dem effektvollen Einsatz von “Musik und vielerlei Geräusch“ mühelos zwischen Komödiantischem und ruhigen, tiefergründigen Szenen.

Im Frühjahr 2008 wird es wieder öffentliche Auftritte geben, die rechtzeitig auf der Website www.la-lotte.de angekündigt werden.

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