Cool Tour

Welche Annie Lennox hätten Sie denn gern?

Die Junge Wilde, die in den Siebzigern mit der New Wave-Band The Tourists erste musikalische Gehversuche wagte? Die Mega-Erfolgreiche, die im Duett mit Dave Stewart als Eurythmics unvergessliche Pophits wie „Sweet Dreams (Are Made of this)“ schrieb? Oder die ambitionierte Solokünstlerin, die ab Anfang der neunziger Jahre mit softsouligen Balladen wie „No More I Love You's“ und „Why“ regelmäßig in den Charts landete?

Ganz egal, welche Phase der mittlerweile 54-jährigen schottischen Allroundkünstlerin man bevorzugt (oder vielleicht auch gar keine mehr: Vor ein paar Jahren hatte man sich an ihrem vollröhrenden Organ satt gehört), unbestritten ist, dass Annie Lennox nicht nur als Sängerin, sondern auch als Gendergrenzen überschreitendes Role-Model Popgeschichte schrieb: Während Eurythmics-Partner Stewart in bunten Fantasiekostümen auftrat, verwirrte Lennox die Fans mit raspelkurzem Haarschnitt und androgynen Outfits. Später, in ihrer „Diva“-Zeit, gefiel sie sich auch in der großen hollywoodesken Robe, und eigentlich waren Lennox' Rollenspiele und -wechsel immer ein bisschen interessanter als Madonnas – weil Annie Lennox noch ein paar andere Modelle als nur „Sex sells“ parat hatte.

 

Kürzlich erschien eine Greatest Hits-Compilation, die sich auf Annie Lennox' Solokarriere konzentriert: Neben zwei neuen Stücken - „Pattern of my Life“, komponiert von Keane-Sänger Tom Chaplin, und der Coverversion „Shining Light“, im Original von Ash – sind all ihre Hits versammelt: das gospelhafte „Precious“, „Love Song for a Vampire“, Titelsong zu Coppolas Dracula-Verfilmung, die gefühlvolle Interpretation von „A Whiter Shade of Pale“ und die Gemeinschaftsproduktion „Sing“ von 2007, auf der unter anderem Madonna, Pink, Shakira, Bonnie Raitt, Anastacia, Isobel Campbell und viele andere Sängerinnen zu hören sind. 

 

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Christina Mohr arbeitet beim Campus Verlag in Frankfurt. Nach Feierabend ist sie Musikredakteurin des Online-Kulturmagazins satt.org, rezensiert Platten und Bücher, gelegentlich auch für andere Websites wie melodiva.de, titel-magazin.de und Zeitschriften wie Missy Magazine. Der hier veröffentlichte Text erschien zuerst auf der Seite von satt.org, wir danken ganz herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung!

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