Anderswo

Weltberühmte Nebenrolle

Als die große Liebe John Lennons wurde sie weltweit bekannt. Aber nur wenige wissen, was Yoko Ono noch so in ihrem Leben zuwege gebracht hat. Nun feierte die Avantgarde-Künstlerin, engagierte Pazifistin und Feminismus-Ikone gerade ihren 75. Geburtstag – und ein Buch und viele andere laden zu einer Neubegegnung mit ihr ein.

Sie ist nicht nur die Frau, die John Lennon so sehr verzauberte, dass der Beatles-Musiker einmal bekannte: „Sie veränderte mein Leben völlig. Nicht nur physisch. Ich kann es nur so beschreiben: Yoko war wie ein Acidtrip oder als wäre man das erste Mal betrunken. Es war eine große Veränderung…“. Yoko Ono aber wurde nicht nur geliebt, sondern auch sehr gehasst – und ganz besonders im Beatles-Universum selbst. Denn als die Band im Jahr 1970 auseinander brach, stand für viele Fans sofort fest: Yoko Ono sei schuld, ihre Liebesbeziehung zu John der große Störfaktor gewesen – und die Künstlerin selbst einfach „ein Beatle“ zuviel in der Band.

Oder besser: im Bett? „Bei John war es so, dass ich mit diesem Typen ins Bett ging, und plötzlich sah ich am nächsten Morgen diese drei eifersüchtigen Schwiegermütter im Zimmer stehen“, so beklagte sich Yoko Ono einmal über den Rest der Band Paul, Ringo und George. Wobei es nicht nur diese drei waren, die Yoko als eine Art „Schwiegermütter-Schreck“ argwöhnisch beäugten. Auch in den Medien war man am Lennon-Glück sehr interessiert, aber stets ein wenig eindimensional, sobald es um Yoko ging. Die Lennon-Muse oder Lennon-Managerin, später auch die Witwe, die sich rührig um das Erbe des 1980 auf offener Straße erschossenen Popidols kümmerte, holte man gerne ins Bild. Aber war da nicht noch etwas, das im Leben dieser Frau, die am 18. Februar 1933 in Tokio als Tochter einer japanischen Bankiersfamilie zur Welt kam, von Bedeutung war?

„Sie ist die berühmteste unbekannte Künstlerin der Welt. Jeder kennt ihren Namen, aber niemand weiß, was sie macht“. Das waren die Worte, mit denen John Lennon schon damals das Dilemma umschrieb, in dem seine einstige Gefährtin noch heute steckt. Denn mit Yoko Onos künstlerischem Schaffen, ihren experimentellen Filmen oder Musikalben sind im Grunde nur sehr, sehr wenige vertraut. Dabei war Yoko bereits im Jahr 1966, als sie Lennon traf, eine in den Avantgardeszenen zwischen Tokio und New York gut etablierte Künstlerin, die der Fluxus-Bewegung wichtige Impulse gab und so auch den Weg ebnete.

Pünktlich zum 75. Geburtstag ist nun ein Buch erschienen, das auch diese Facetten im Leben der „Frau an Lennons Seite“ präsentiert. Der britische Musikjournalist Nick Johnstone hat Zitate von und über Yoko gesammelt und sie in einem Band zusammengestellt, der mit zahlreichen Bildern durch Momente aus Kindheit und Beziehungen, künstlerischer Arbeit und politischem Engagement führt. Denn auch das ist Yoko Ono: die Friedensaktivistin, die ihre Flitterwochen mit Lennon im Hotelbett verbrachte – als ein „Bed In“ gegen den Krieg, und das vor den geladenen Kameras der Weltöffentlichkeit. Die Lennon-Hymne „Give Peace a Chance“ entstand im Kontext dieses Happenings.

Und vielleicht ist die Zeit reif, auch Yoko Ono einmal zur Abwechslung eine faire Chance zu geben? Dafür plädiert nicht nur Nick Johnstones Bildband „Yoko Ono – Talking“, zu dem Sie hier weitere Informationen finden. Auch Georg Howahl als Autor der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ ist der Meinung, dass Lennons große Liebe es verdient hätte, ohne die vielen Popklischees wahrgenommen zu werden, die um ihre Person kreisen. Wer zunächst also noch Vorurteile abbauen muss, kann auch hier klicken und zu Howahls Artikel „Gib Yoko 'ne Chance“ finden. Ein sehr schönes Porträt der Künstlerin und Besprechung des Buches „Yoko Ono –Talking“ können Sie dagegen auch im „Aviva“-Magazin finden und wenn Sie hier klicken.