Männerecke

Wenn man Cola Light-Werbung live erlebt

Ein Tuscheln erfüllte den Büroraum: Alle drei Monate, an jedem zweiten Dienstag, kam nämlich ER!

Ich sitze in einem großen Büro mit ganz vielen Frauen, und gemeinsam bearbeiten wir die Probleme, die das Führen eines Stromkonzerns so mit sich bringt.


Als einziger Mann in einem Großraumfrauenbüro könnte ich jetzt viele Geschichten erzählen: von Zickenkriegen, von Kurz-vor-Feierabend-Schmink-Sessions, von gemeinsamen Klo- und Rauchpausen und wilden Tratschereien. Ich tue es aber nicht. Ich erzähle nur eine Geschichte. Und zwar die, in der ich mich plötzlich in einem Werbespot wieder fand.


Erinnern Sie sich noch an diese Cola Light-Werbung? In der ganze viele Frauen in einem Büro sitzen und sich jeden Tag auf eine bestimmte Uhrzeit freuen, wenn gegenüber der tolle Bauarbeiter endlich Pause macht und sich einen Schluck aus seiner Cola Light-Dose genehmigt. Und alle Frauen sich das freudig erregt betrachten und nicht genug von diesem Anblick bekommen können? 


So etwas Ähnliches durfte auch ich in meinem Büro erleben. Es war erst meine zweite Arbeitswoche in diesem Job. Noch etwas schüchtern betrat ich morgens das Büro – und merkte gleich, dass heute irgend was anders war als sonst. Ein Tuscheln erfüllte den Raum. Ich bekam mit, dass heute der zweite Dienstag im Monat war, und alle drei Monate, am zweiten Dienstag, kommt ER! Wer ER war, war mir noch nicht ganz klar, aber ER schnorrte das letzte Mal wohl eine Zigarette von meiner Nebensitzerin. Und Karin überlegte, ob sie ihm diesmal vielleicht ganz unauffällig ihre Nummer zustecken sollte, und Larissa meinte, dass ER bestimmt eine Freundin hätte, weil ER sie auch nie angerufen hätte, nachdem sie ihm ihre Nummer zugesteckt hatte.


Langsam wurde ich neugierig. War er der Computerexperte? Wechselte er den Toner vom Drucker? Brachte er das Papier? Plötzlich wurde mein Nachdenken durch das abrupte Ende der Tuschelei gestört. Ich sah zur Tür und sah IHN. 
ER war groß, gut gebaut, Zigarette hinterm Ohr, Blaumann an und darunter bauchfrei. Der Fensterputzer!


„Da ist ja immer noch nicht die Fensterbank abgeräumt...“
MACH ICH! Kam es fast gleichzeitig aus allen Ecken des Büros, und ich konnte nicht glauben, wie schnell eine voll gestellte Fensterbank frei werden kann. Zuerst putzte ER dann die Innenseiten der Fenster, dann öffnete er die Fenster und putzte die Außenseiten. Alles unter Beobachtung von 10 Frauen und mir. Vor allem von mir – weil ich zuhause auch mal die Fenster putzen müsste. Allerdings bezweifele ich, dass mir dabei jemals so sehnsuchtsvoll zugeschaut würde. 


Eines der Fenster klemmte, und ER (der sich der Beobachtung natürlich völlig im Klaren war) öffnete das Fenster daneben, kletterte hinaus und putzte von außen. Ein Raunen ging durch das Büro. (Unser Büro ist immerhin im fünften Stock). Doch ER schaffte es das Fenster unfallfrei zu putzen, kletterte wieder zurück, blieb stehen und lächelte ein Lächeln in die Runde.


Er packte seine Putzutensilien wieder zusammen, griff in seine Hosentasche, nahm eine Schachtel Zigaretten heraus und gab eine Zigarette an meine Nebensitzerin. Dann wandte er sich an Larissa, gab ihr einen Zettel mit einer Nummer darauf und meinte: „Danke, lieb gemeint, aber ich steh dann doch eher auf Männer.“


Und dann lächelte er MICH an und fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm eine zu rauchen. Obwohl ich eigentlich auf Frauen steh’ und noch nie in meinem Leben geraucht habe, bin ich mitgegangen. Ein bisschen Spaß muss sein.