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Wer steht schon gern im Rampenlicht?

Warum Selbstmarketing nicht nur etwas für Schüchterne ist – und wieso Frauen sich damit besonders schwer tun.

Immer nur „Performance! Performance! Performance!“? Der allgegenwärtige Druck, sich permanent gut verkaufen zu müssen, geht manchmal auf die Nerven. Doch Susanne Hake zeigt, dass „Selbstmarketing“ viel mehr zu bieten hat.


40 Prozent der Menschen haben Angst davor, vor einer Gruppe zu sprechen. Die Kommunikationsberaterin hat sich anfangs auch gewundert, warum ausgerechnet so viele junge Menschen aus ihrem Umfeld, von denen sie es nicht erwartete, mit sozialen Phobien zu kämpfen hatten. Doch allein um gelungene Selbstdarstellung geht es längst nicht, wenn Susanne Hake aktiv wird. Besseres „Selbstmarketing“ ist nämlich auch dann gefragt, wenn man merkt, dass man beruflich auf der Stelle tritt und ständig übersehen wird, die ersehnte Beförderung ausbleibt, der Arbeitsplatzwechsel nicht gelingen mag oder man den Plan für die eigene Selbstständigkeit zu zaghaft angeht.


Geschichten im Kopf


Es sind oft hartnäckige Blockaden, die uns davon abhalten, das Beste aus den sich uns bietenden Chancen herauszuholen. Vergangene Erfahrungen, die sich im Hinterstübchen eingebrannt haben sowie negative Glaubenssätze, die wir uns selbst erzählen und für die Wahrheit halten, sind häufig die Übeltäter, die uns boykottieren. „Die Leute müssen sich nicht ändern, sondern die Geschichten, die sie sich über sich selbst erzählen“, sagt Susanne Hake. Die ehemalige Spielfilmregisseurin entwickelte hierfür „Storydynamics“ - ein ganz spezielles Programm, in das ihre langjährige Erfahrung aus der Werbe- und Filmbranche einfloss.


Am Ende entstand das Buch „Selbstmarketing für Schüchterne“. Susanne Hakes Mission ist es, den Schüchternen und Zurückhaltenden die Augen für ihre Entfaltungsmöglichkeiten zu öffnen und ihnen zu mehr Durchsetzungs- und Kommunikationskompetenz zu verhelfen. Die Klientel mit geringem Selbstbewusstsein liegt ihr besonders am Herzen. Profitieren kann dennoch jeder von ihrem Wissen.


Bloß nicht auffallen?


Interessanterweise kommt der Buchtitel bei Männern gut an. Hake mutmaßt, es ist wohl das Marketingthema, das die Männer hier anspricht. Denn „Schüchternheit ist bei Frauen akzeptierter“, erklärt die Berliner Kommunikationsberaterin. „Bei ihnen gehört das schon fast zum Rollenbild.“ Dass es vor allem Frauen sind, die vom sogenannten „Hochstaplersyndrom“ (Betroffene betrachten ihre eigenen Erfolge als unverdient oder erschlichen) geplagt werden, bestätigt auch Hake: „Das hat einerseits mit dem Perfektionismus zu tun, den Frauen in ihrem Tun anlegen. Zum anderen liegt es daran, dass wir schon als Mädchen dahingehend sozialisiert werden, bloß nicht aufzufallen.“


Hake hilft beim Heben verborgener Schätze: „Eigentlich geht es um das Anerkennen der eigenen Stärken und Gaben, der eigenen verwertbaren Einzigartigkeit. Diese erkennen wir oft selber als Letzte.“ Deshalb nimmt die Bestandsaufnahme – eine Art Inventur – viel Platz zu Beginn ihrer Methode ein. Wichtig ist herauszufinden: „Wer bin ich?“ und „Was will ich?“. So entstehen Visionen, die inspirieren und beflügeln - und damit auch mehr Aussicht haben, zum Erfolg zu führen. Wenn es dann darum geht, sich auf den Weg zu machen, seine Pläne umzusetzen und durchzustarten, wird überraschenderweise auch auf die „gewaltfreie bzw. wertschätzende Kommunikation“ gesetzt. Warum? Wer diese beherrscht, traut sich eher, auch Schwieriges oder Unangenehmes zu äußern. Kritikfähigkeit und Kommunikationskompetenz stärken das Selbstbewusstsein.


Das Buch ist ein Gewinn für jeden. Und das nicht nur, weil es Tipps und Selbsthilfetools in Hülle und Fülle bietet. Susanne Hake schreibt mit solch lockerer Feder in unterhaltsamer Manier, dass die Lektüre schlichtweg Spaß macht – selbst jenen, die eigentlich um Ratgeberbücher einen großen Bogen machen.


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Die Leseempfehlung der MissTilly-Redaktion:

Susanne Hake: „Selbstmarketing für Schüchterne“, Redline-Verlag, 2014