Kerle & Küche

Wie ich lernte, nicht mehr abwaschen zu müssen

In meiner Küche stapelt sich das benutzte Geschirr. Wenn ich was brauche, wasche ich es ab. Alles kein Problem. Die Essensreste erinnern einen an schöne, aber vergangene Stunden. Warum also gleich vernichten? Nur frühmorgens, wenn ich schlechtgelaunt in die Küche komme und einen Kaffee aufsetzen will, da fällt mir auf, wie es eigentlich aussieht bei mir. Aber das ist morgens und da nehme ich mich grundsätzlich nicht ernst. Wenn es mir zuviel wird, wasche ich auch mal ab.

Von: Carsten Friedrich, Foto: Carsten Friedrich (pixelroiber via flickr.com)

vom 13.11.06

Das war mal anders. Damals, in der großen Beziehung! Was habe ich da abgewaschen. Meine Finger waren durchgescheuert vom Schwämmchen und dem Edelstahlwollknäuel. Da muss ich wohl gedacht haben, eine Beziehung besteht aus Gefälligkeiten und Aufgaben, die Mann unaufgefordert und ohne zu murren verrichtet. Irgendwann wurde auch das zum Problem und Mittelpunkt eines Streits, wie so vieles in einer Beziehung, in der man sich irgendwann nichts mehr zu sagen hat.

Und ja, am Anfang der Beziehung war auch ich kreativ und habe gekocht. Mir Sachen ausgedacht. Was haben wir geschlemmt. Doch das läßt leider nach im Laufe der Zeit. Warum auch immer. Die Argumente waren immer diesselben: Das dauert zu lange, das ist zu umständlich, lass uns das mal anders machen. Selbst beim Zwiebelschneiden war ich zu langsam und die Tomatensoße war sowieso zu scharf. Die Lüge vom 'Liebe geht durch den Magen' ist doch nur eine Erfindung der Nahrungsmittelindustrie.

Und dann hörst du eben auf mit dem kreativ sein und beschränkst dich aufs Abwaschen. Ich hatte mich damit abgefunden und seitdem steckten meine Hände im schaumigen Nass. Sicher habe ich mich gefragt, ob das in allen Beziehungen so ist. Heraus bekommen habe ich es bis heute noch nicht, redet keiner so gerne drüber.

Ich bin keineswegs der Ansicht, dass Frauen in die Küche gehören. Jeder sollte nur das in der Küche machen, was er am Besten kann. Und leider muss ich ja auch zugeben: Viele Frauen legen sehr viel mehr Wert aufs Essen als ich. Nicht nur auf die Zubereitung, sondern auf das Ereignis an sich: Das Essen wird zum Event, zur zentralen Frage. Da wird vorher ausgiebig geredet und sich hinterher ausgetauscht. Mir ist das eigentlich ziemlich egal. Hauptsache, es schmeckt.

Heute jedenfalls bin ich Herr in meiner eigenen Küche und das soll auch so bleiben. Groß ist sie nicht, passt nicht mal ein Tisch rein. Aber mir reicht sie. Meistens gibts Pizza und Döner bei mir und die Küche verkommt zum Bieraufbewahrungsort. Und sollte ich doch mal was kochen, dann mache ich das, wie ich das will - ganz ohne Zwang.