Starke Frauen

Wir sind Nobelpreis(würdig)!

Frauen erobern sich den Nobelpreis: Elizabeth Blackburn, Carol Greider, Ada Jonath, Herta Müller, Elinor Ostrom - so viele waren es noch nie. Und erstmals in der Geschichte überhaupt ging der Wirtschaftsnobelpreis an eine Frau. Was die Medien über sie sagen - wir haben uns umgehört.

Die Verhältnisse verschieben sich- langsam , aber stetig. Über das Rekordjahr 2009 freut sich nicht nur Der Standard: „Damit erhalten den Preis in diesem Jahr so viele Frauen wie noch nie - von den insgesamt 13 Preisträgern sind fünf weiblich.“


Verrückt schon fast, dass man da jubelt. Aber tatsächlich ist es „eine für Nobelpreis-Verhältnisse schier unglaubliche Zahl,“ findet n-tv. Um gleich wieder in Erinnerung zu rufen, dass man von einem Gleichstand mit den männlichen Kollegen weit entfernt ist: „Es ist noch ein extrem weiter Weg zurückzulegen: Seit der ersten Vergabe 1901 bis zu diesem Jahr haben 762 Männer und 40 Frauen das Nobelpreis-Diplom in Empfang nehmen können.“


Zwei der Preisträgerinnen arbeiten zusammen – Blackburn und Greider haben das Jugend-Enzym erforscht. „Heiß gehandelt wurden sie schon lange, nun ist ihnen der Nobelpreis für Medizin zugesprochen worden: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak. Sie haben entdeckt, wie Zellen altern und wie das gestoppt werden kann,“ heisst es bei heute.de.


Die Israelin Ada Yonath erhielt mit zwei Kollegen den Nobelpreis für Chemie. „Sie werden für die Entdeckung der Struktur und Funktion der Ribosomen, der Eiweißfabriken in den Zellen geehrt.“, so der mdr. „Mit dem Wissen um das Funktionieren der Ribosome konnten neue Medikamente entwickelt werden - zum Beispiel Antibiotika.“


In Deutschland freute man sich besonders über den Literaturnobelpreis von Herta Müller. Die von Rumänien nach Berlin emigrierte deutschsprachige Schriftstellerin widmete all ihre Bücher den Grenzerfahrungen der düsteren Vergangenheit unter dem kommunistischen Regime Ceaucescus. „Ihr Werk zeichnet sich durch Spracherfindungen aus, die Heimatlosigkeit, Hunger, Angst, Ausgestoßensein und Verfolgung in beklemmenden Bildern ausdrückt und erlebbar macht,“ schreibt die Süddeutsche Zeitung. „Sie gilt als Dichterin der Heimatlosigkeit. Tatsächlich ist sie eine der sprachmächtigsten Autorinnen der Gegenwart.“


Für ganz besonderen Aufruhr sorgte jedoch Elinor Ostrom.: „Als erste Frau hat Elinor Ostrom den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten. Die 76-jährige hat noch Zeiten erlebt, in denen das für eine Frau völlig unmöglich war. Und auch heute ist es eine kleine Sensation“, schreibt Capital.


Die Thematik, für die Ostrom ebenso wie ihr männlicher Kollege Williamson den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis erhielt, ist nicht minder brisant. „Diesmal geht der Preis an zwei Forscher, die sich mit Zusammenarbeit beschäftigen, mit Kooperation und freiwilligen Regeln. Das ist eine völlige Abkehr vom Mainstream – und hoffentlich ein klares Zeichen an die Politik: Hört auf, euch ausschließlich am Wirtschaftsliberalismus zu orientieren“, sagt der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in einem Focus-Interview.


„Ostroms Zauberformel heißt ‚Sozialkapital‘. Viele natürliche Ressourcen, wie saubere Luft oder trinkbares Wasser, sind nicht endlos verfügbar – mit welchen Institutionen und Eigentumsformen könnte es zuwege gebracht werden, dass die Menschen nicht noch mehr Raubbau betreiben?“ bringt Emma den Kern von Ostroms Forschungsgebiet auf den Punkt. „Elinor Ostrom (...) meint mit dem ‚dritten Weg‘ eine Alternative zu Privatisierung und Verstaatlichung – das ist das Gemeinschaftseigentum. Wobei sie als Empirikerin so sehr von der Richtigkeit ihrer jahrzehntelangen Erforschung der kollektiven Nutzung von Ressourcen überzeugt ist, dass sie den Nobelpreis dafür eigentlich gar nicht mehr bräuchte, wie sie sagt.“


„Damit hat die Wissenschaftlerin nachgewiesen, dass weder der Staat noch der Markt - wie es viele ihrer Kollegen behaupten - in der Regel zu den besten Ergebnissen führt. Ostrom versteift sich nicht in der Feststellung, dass die Betroffenen immer die beste Lösung für ihr Problem sind. Da ist sie in ihrer Ideologiefreiheit konsequent. Sie geht vielmehr vorurteilsfrei der Frage nach, wann welche Lösung wirklich die beste ist,“ heißt es im Spiegel und zeigt damit, welch herausragende Wissenschaftlerin sie ist. „Und man würde Ostrom auch unrecht tun, ihre Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaften darauf zu reduzieren, die Männerdominanz beim Nobelpreis gebrochen zu haben – also so etwas wie die Angela Merkel der Ökonomie zu sein.“......


Dem ist nichts hinzuzufügen.