Cool Tour

Wirklich Nu(h)r die Wahrheit!?

Er ist wieder da: Immer noch lustig, immer noch frech, aber ungewohnt unpolitisch tourt der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr wieder durch die Lande.

„Nuhr die Wahrheit“ nennt sich seine neue Show, die mit noch nie dagewesenen Wahrheitstheorien verblüfft. „Ahornsirup klebt“ ist eine davon – und wird vom Publikum als eine zentrale Aussage des Abends gefeiert. Aber auch der Irrtum, dass Männer schlecht hören, wird endgültig beseitigt. Nuhr verrät: Männer seien Frauen beim Hören sogar überlegen. An wichtigen Stellen würden sie im Gegensatz zu Frauen einfach „weghören“.

 

Dieter Nuhr, 46 Jahre alt, tritt seit über zwanzig Jahren als „Comedian“ auf. Diese Berufsbezeichnung klänge weniger kulturell und schrecke daher das Publikum nicht so ab. Das wolle er nämlich nicht, so meint Nuhr, schließlich habe er sich doch ganz bewusst gegen seinen ursprünglichen Beruf, den des Lehrers, entschieden. So ganz kann er das „Klugscheißern“ dann aber doch nicht lassen, wo er bei jeder Gelegenheit unglaubliche, aber „wahre“ Tatsachen, Definitionen und Lebensweisheiten in das Programm einfließen lässt.

 

Ganz metasprachlich betrachtet Nuhr dabei die Definition von Wahrheit: Sie sei  „allgemein der mit Gründen einlösbare Geltungsanspruch von Aussagen beziehungsweise Urteilen über einen Sachverhalt“. So oder so ähnlich kommt Nuhr schließlich zu dem Schluss, dass es keine absolute Wahrheit gäbe. Und das erleuchtete Publikum schreitet nach Hause mit der unumstößlichen Erkenntnis, dass Definitionen sehr leicht umzustoßen sind. Vielen Dank, Dieter.

 

Nuhrs neue Show kommt an, man lacht und geht gut gelaunt heim. Aber dann fällt einem auf, dass irgendetwas gefehlt hat. Lässt man den Abend Revue passieren, wird schnell klar, dass Nuhr inzwischen einfach viele der typischen Witzklischees bedient, gut verpackt und noch nicht abgedroschen, aber deutlich auf das „breite“ Publikum zugeschnitten. Eine Entwicklung vom Geheimtipp zum „Massenprodukt“, das verkauft werden will  - mit nur marginal politisch völlig inkorrekten Einschüben. Schade, Dieter.

 

Ein „Plus“ bleibt dennoch die sympathische und schlagfertige Art, mit der Nuhr auch  mit unqualifizierten Zuschauerkommentaren umzugehen vermag. Etwa der Ansicht,  „wenn Wahlen etwas bringen würden, wären sie schon längst abgeschafft“. Nuhr lächelt und flüstert, dass er sich keinen „Verschwörungstheorien hingeben“ wolle. Und lässt sich dann am Ende des Abends doch noch zu einer Provokation hinreißen: zu der Aussage, dass „Politiker ihre politischen Überzeugungen nur den jeweils aktuellen Meinungsumfragen anpassten“.

 

Bravo, Dieter. Beim nächsten Mal nu(hr) mehr davon.