War was?

:: Woche :: 27.11.-03.12.2006

Merkel über alles und keiner schaut hin. Der Papst reist tapfer in die Türkei. Gezerre um die US-Truppen im Irak. Die EU hadert mal wieder mit der sturen Türkei. Wilde Spekulationen im Polonium-Fall Litwinenko. Arbeiten bis Alter 67 ist angesagt. Das Rauchverbot ist besiegelt. Der erwartete Aufschrei nach dem Ende im Ackermann-Prozess ist groß. Ach, eine gute Nachricht hätten wir da noch: Es gibt nur noch 3.995.000 Arbeitslose.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 05.12.06

Der CDU-Parteitag war grandios für Angela Merkel – weil 93% der Gefolgschaft sie zur CDU-Chefin wiedergewählt hat. Aber irgendwo war es dann doch trostlos in Dresden: Leere, Desinteresse und wenig Euphorie waren allgegenwärtig. Und Schuld daran der Kanzlerins Beschwichtigungspolitik, schwammige Kompromisse und Konfliktvermeidungsstrategien.

 

Benedikt XVI. schlägt sich wacker auf seiner Reise in die Türkei. Man kuckt ihn misstrauisch von der Seite an, fragt sich, was der heilige Vater im zu 99 Prozent muslimischen Land denn will. Wegen seiner missglückten Regensburg-Rede gerät der Besuch zum Balanceakt, den er unbeschadet übersteht.  So schüttelt Ratzinger eben mal dem Oberhaupt der orthodoxen Christen die Hand und der rote Teppich wird rasch wieder eingerollt

 

Bleiben oder Gehen? Bush bekommt Druck aus Expertenkreisen, die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen. Weil die Mission wenig erfolgreich und die Sicherheitslage der Soldaten prekär ist, drängt die unabhängige Baker-Kommission zum Truppenabzug bis 2008. Doch Bush ist erstmal dagegen.

 

Der Todesfall Litwinenko nimmt die bizarren Züge eines James-Bond-Films an. Plötzlich sind radioaktive Spuren überall – in 30 British-Airways-Flugzeugen, in Hotels, Restaurants und einen neues Strahlenopfer gibt es auch schon. Spuren weisen in alle Richtungen: neben dem Kreml gilt auch als verdächtig der russische Geheimdienst FSB, der möglicherweise außer Kontrolle geraten eigene Wege beschreitet. Derweil wird Litwinenko im strahlensicheren Bleisarg beerdigt werden.

 

Die Türkei, die EU und das alte Problem: wie macht man Druck, ohne den Türken weh zu tun. Weil sie stur keine Schiffe aus Zypern in ihre Häfen lassen wollen, klopft ihnen die EU auf die Finger und plädiert für ein Aussetzen der Beitrittsverhandlungen.

 

Die Rente mit 67 ist nun beschlossene Sache. Weil die Alten immer älter werden und die Jungen keine Kinder mehr kriegen, müssen alle ab 1964 Geborenen länger arbeiten. Doch da haben schon ganz andere erzählt, die Renten seien nun sicher.

 

Noch wird zwischen Bund und Ländern gerangelt, wer bestimmt, wo geraucht werden darf. Auch muss das Gesetz noch geschaffen werden. Aber für Raucher heißt es künftig wohl: ab an die frische Luft. Als sicher gilt, dass Buss, Bahnen öffentliche Gebäude und Restaurants bald tabu für Qualmer sind.

 

Ach, Ackermann…War er wirklich so unbedarft und ahnungslos als er die Millionenprämien an Esser & Co. verteilte? Jedenfalls hat er nun seine Schäfchen im Trockenen, erkauft allerdings mit einem Riesen-Imageverlust. Auf Mitleid wird er kaum hoffen können. Doch auch der Aufschrei der Öffentlichkeit angesichts des Freikaufs des Deutsche-Bank-Chefs wird wohl bald Schnee von gestern sein.

 

Wäre hätte je gedacht, dass 3,9 Mio Arbeitslose ein Grund zum Jubeln sein können? Weil es das erste Mal seit vier Jahren ist, dass wir wieder unter die 4 Mio-Grenze rutschen, machen die in der Bundesagentur für Arbeit gleich ein Fass auf. Die Konjunktur rollt scheinbar wieder an und alles schaut gebannt ins nächste Jahr. Also, Schluß jetzt mit dem deutschen Elendsgefühl.