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„Global Board Ready Women“ - Frauen in die Aufsichtsräte

Frau Reding macht es vor. Statt lange zu warten, bis ihren Plänen zur Frauenquote zugestimmt wird und diese irgendwann in unbestimmter Zukunft tatsächlich in den einzelnen EU-Ländern in Gesetze und - noch später - in die Praxis umgesetzt werden, sammelt sie hochqualifizierte Frauen und präsentiert sie den Unternehmen. Eine Datenbank für potenzielle Aufsichtsrätinnen hat die EU-Kommissarin initiiert - und schwupps haben sich in kürzester Zeit schon 8.000 Frauen gefunden, die nur darauf warten, sich in Aufsichtsräten engagieren zu können.

 

Schluss mit den Mythen

„Ich bekomme häufig das Argument zu hören, es gäbe nicht genügend qualifizierte Frauen, die Positionen in Leitungsorganen bekleiden könnten. Heute machen die europäischen Business Schools und ihre Partner weltweit Schluss mit diesen Mythen und mit den gläsernen Decken", erklärt die Vizepräsidentin und EU-Justizkommissarin Viviane Reding.

Jetzt gibt es kein Wegschauen und keine Ausreden mehr: Die Kriterien an die Erfahrung der Frauen sind berechtigt anspruchsvoll: Die in der Datenbank der „Global Board Ready Women“ erfassten Frauen erfüllen allesamt die strengen Corporate Governance-Kriterien börsennotierter Unternehmen. Sie müssen eine mindestens fünfjährige Erfahrung auf der Vorstandsebene, der Geschäftsführungs- oder Aufsichtsebene börsennotierter oder nichtbörsennotierter Unternehmen, als Anteilseignerin mit Kontrollbeteiligung, Direktorin staatlicher Stellen, als Unternehmerin oder in wissenschaftlicher Spitzenposition nachweisen.

 

Anspruchsvolle Kriterien

Zu recht müssen sie diesen hohen Standards genügen. Die europäische Kommission legt großen Wert auf strenge, objektive Qualifikationskriterien, um "eine bedingungslose, automatische Begünstigung des unterrepräsentierten Geschlechts auszuschließen". Schwächere Maßstäbe bei den Frauen anzulegen, ist ohnehin völlig unnötig. Es gibt zuhauf führungserfahrene und topausgebildete Frauen. Von wegen "wir würden ja gerne, können aber leider nicht..". Nun ist die Wirtschaft am Zug. Frau Reding hat es klug angestellt.

Zur Erinnerung: Erst im November diesen Jahres konnte sich die EU-Kommission darauf einigen, eine verbindliche Frauenquote von 40% für Aufssichtsräte vorzuschlagen. Das heisst aber noch gar nichts, solange noch nicht Europaparlament und Ministerrat zugestimmt haben. Derzeit sind nur 14% der Aufsichtsräte Frauen. Und die Mühlen der europäischen Bürokratie mahlen langsam, ebenso wie die Ratifizierung einer (noch unsicheren, weil noch gar nicht beschlossenen) Richtlinie in den EU-Mitgliedstaaten Zeit braucht. Zu viel Zeit, wie sich wohl auch die EU-Kommissarin und viele Frauen denken. Dass der erste Etappensieg nicht versandet, dafür könnte nun die Liste von Viviane Reding sorgen.


Detaillierte Infos zur Datenbank „Global Board Ready Women“ hier >>