War was?

Zur WM: Feiern- und Hinschauen

Wer Südafrika sagt, darf nicht nur Fußball, sondern muss auch Frauenrechte sagen.

Es sind keine schöne Themen, und wer will davon schon im Jubel über die Tore hören - Zwangsprostitution, Mädchenhandel, Aids und Vergewaltigungen, Armut, Not. Fakt ist: Südafrika ist in den international vergleichenden Gewaltstatistiken der Spitzenreiter. Dazu zählen Vergewaltigungen und häusliche Gewalt sowie der Frauen- und Mädchenhandel. Eines der größten Probleme sind Prostitution und Verschleppung von jungen Frauen. Weil die Gefahr besteht, dass insbesondere während der Fußball-WM Angebot und Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen und somit Zwangsprostitution und Menschenhandel in Südafrika zunehmen, gibt es gerade zur Weltmeisterschaft die Kampagne "redlight 2010". Diskutiert wird zudem die Legalisierung der Prostitution - die in Südafrika verboten ist, was die Probleme Zwangsprostitution und Gewalt der Zuhälter gegenüber den Frauen verschärft. Allerdings weiß man auch, dass mit einer Legalisierung den Frauen nicht geholfen ist, solange diese eine nur geringe Verhandlungsmacht haben.

 

Wie sehr die Auseinandersetzung um die Aufhebung des Prostitutionsverbotes ins Absurde abkippen kann, zeigt die Aussage des ANC-Abgeordneten George Lekgetho, eine Legalisierung könne dazu beitragen, "dass die Fußball-WM ein Erfolg werde und die hohen Vergewaltigungszahlen in Südafrika gesenkt werden könnten" - womit er viele Frauen zu Recht und erst recht aufbrachte. So wie Carol Freeman, die darin ihre schlimmsten Befürchtungen über Mythen und Annahmen, die rund um das Thema Vergewaltigung existieren, bestätigt sieht.

 

Nein, trotzdem, ein südafrikanisches Problem ist das wahrlich nicht - das wusste man auch als 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand. Weswegen es damals die vom "Deutschen Frauenrat" initiierte Kampagne "Abpfiff" gab. Damals wie heute geht es darum, Fans für das Thema zu sensibilisieren und aber mindestens so sehr darum, Frauen und Mädchen zu warnen und vor Schleppern zu bewahren. Der große Wunsch für 2006 war derjenige, der auch diesen Sommer gilt: Dass die Fussballspieler selbst sowie die männlichen Fans Flagge zeigen, indem sie sich dazu bekennen, dass "richtige" Männer die Menschenwürde achten und gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel sind. Und dass auch nach Ende der WM nicht vergessen wird, dass Frauen in Südafrika besonders häufig Opfer von Gewalt und Missbrauch sind.