Cool Tour

Zwiespältiger Film über berufstätige Mütter

"Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum". Der Film zum Buch.

Schlichtweg dämlich - oder ganz nah dran?

Kate Reddy war meine Heldin. Als ich vor fast zehn Jahren das Buch im Original las, war ich begeistert. Weil es eines der ersten Bücher war, die ganz offen und frei davon erzählten, wie wenig erquicklich das Mütterdasein oft ist und wie ermüdend, wenn frau noch dazu berufstätig sein will. Inzwischen ist es nicht mehr so selten, dass Frauen dies zugeben und weniger tabuisiert, wenn sie sich mal weit weg von ihren Kindern wünschen. Wie wohltuend.

 

Dümmlicher Schluss macht vieles kaputt

Bei den meisten Kritikern fiel die filmische Umsetzun"I don't know how she does it" (Originaltitel) dennoch in Ungnade. Sie sahen in den Alltagshürden der (ausgerechnet von der stets perfekt gestylten Sarah Jessica Parker dargestellten) berufstätigen Protagonistin Kate Reddy vorrangig Luxusprobleme.Vielleicht liegt es auch an dem allzu überflüssigen und ärgerlichen Schluss. Denn "natürlich" hat die Filmheldin am Ende ein Einsehen und gibt "natürlich gerne und des lieben Friedens willen" ihren hoch dotierten und anspruchsvollen Job auf. Seufz.

 

Und vielleicht liegt das überwiegend schlechte Urteil auch daran, dass hier "aus echten seelischen und körperlichen Depressionen Running Gags wie Kopflauskratzen oder Ultraschallaufnahmen, die aus Versehen in die Betriebspräsentation gerutscht sind, werden" und somit aus einer einstigen, hochgehandelten Leseempfehlung für Mütter fast nur noch flache Klischees übrig bleiben. Doch, sieht man von (all dem) ab, kann man dem Film zumindest eines zugute halten: Er trifft mit seinem selbstironischen und lakonischen Ton ins Schwarze und bringt in das Thema "Doppelbelastung und Vereinbarkeit" genau die Leichtigkeit hinein, deren Mangel gerade den Müttern hierzulande doch so oft vorgeworfen wird. Nein, ein anspruchsvoller Arthouse-Film ist es nicht. Aber eine unterhaltsame Komödie, die endlich auch mal die Mütterthematik ins Zentrum rückt.

 

Vereinbarkeit ist "ihr" Problem

Mich hat das Ganze amüsiert, und nicht selten erkannte ich mich wieder, wie ich versuche, meine Handvoll Kinder zu jonglieren und gleichzeitig irgendwie noch eine vernünftige Arbeit in meinem Beruf zu leisten. Treuer Wegbegleiter ist ein stetig schlechtes Gewissen, niemandem gerecht zu werden und oft geht der Beruf nur "so nebenbei". Und das wird für Mütter so lange bleiben, wie es vorrangig "ihre" Angelegenheit ist, den Haushalt und die Familie "so nebenbei" zu schmeißen. Daran ist jede Kritik zwar mehr als berechtigt. Doch weder dem Film als auch dem Buch kann man dies vorwerfen - denn sie tun damit zumindest in diesem Aspekt tatsächlich eines: Sie bilden die Realität ab.

 

Was hier als Schwäche des Films kritisiert wird  -"sie macht nachts Listen im Kopf, damit das Familienleben reibungslos funktionieren kann, sie bekommt das SMS von der Nanny und erfährt mitten in der Sitzung mit ihrem neuen Boss, dass die Kinder krank sind oder Läuse haben, sie muss sich schuldig fühlen, wenn der Sohn sich verletzt, während sie auf Geschäftsreise ist. Und sie muss sich auch schuldig fühlen, dass sie abends zu müde ist, um mit ihrem Mann Sex zu haben. .." -, ist oft genau das Problem in der Wirklichkeit. Die Mutter kämpft den Kampf alleine.


Die Frauenquote wird's nicht richten...

 

Schöne Grüße auch an Frau Schröder und Frau von der Leyen. Wer mehr Frauen in die Führungsetagen befördern will, darf nicht nur über Frauenquoten reden, sondern muss sich vorrangig mit unsern Rollenbildern beschäftigen. Also mit der Frage, warum die in Deutschland immer noch so stereotyp gelebt werden (müssen?) und wie man Müttern aus diesen Rollenfallen heraushelfen kann.