Weibchenschema

Die Hausfrau dankt ab

Ihr Glanz ist dahin: Die „Hausfrau“ gilt vielen als ein überholtes Rollenmodell – nun auch dem Deutschen Hausfrauenbund selbst. Nach seiner Umbenennung will der Verband sich fortan um die Belange aller „Haushaltsführenden“ kümmern – egal, ob zwischen Herd und Putzeimer nun er oder sie wirbelt.

„Bei uns gibt es sie wirklich, die tatkräftige, tüchtige Hausfrau“, so donnerte gerade noch der CDU-Politiker Stefan Mappus in den schwäbischen Raum hinein. Ticken dort alle Uhren so anders? Oder warum hat nun selbst der Deutsche Hausfrauenbund (DHB) mit dem Staub, den Mappus hier aufwirbelt, nichts mehr am Hut? Gerade hat der Verband dem konservativen Familienbild des Schwaben indirekt eine Abfuhr erteilt – und sich umbenannt. 

 „Wir waren im Erklärungsnotstand“, so sagt Elke Wieczorek, stellvertretende Verbandspräsidentin und Geschäftsführerin, hierzu. „Hausfrauenbund“ – das hätte einfach nicht mehr zeitgemäß geklungen. Schließlich sind heute mehr denn je auch Männer bei der Kindererziehung und im Haushalt am Ball. Und damit noch nicht genug: „Es hat uns auch immer erschreckt, wie Hausfrauen in den Medien dargestellt werden.“ 

Wenig ansprechend, mit viel Spott und Klischee nämlich. Und natürlich auch Einfalt, wo die Arbeit von Frauen daheim schnell und gerne auf die berüchtigten drei K’s reduziert wird: Kinder, Küche und (statt Kirche, heute:) Kalorienzählen (auf Margarinepackungen beispielsweise). Genau mit dieser Einfalt möchte der DHB nun nicht mehr in Verbindung gebracht werden: 

„Die klassische Nur-Hausfrau gibt es fast nicht mehr“, so erklärt Ursula Baier dazu auch. Als stellvertretende Vorsitzende des DHB Heilbronn hat sie vor Augen, wie ihr Verbund sich zukünftig neu orientieren muss, um Mitglieder zu gewinnen: „Die meisten Frauen sind berufstätig. Ihr Nur-Hausfrauendasein beschränkt sich auf einen kurzen Zeitraum während der Babypause“. Deshalb würden andere Schlagwörter mit großem „K“ im Grunde viel besser auf den Punkt bringen, was Frauen – und Männer – leisten, wenn sie zwischen Kindern und Beruf stehen: Da seien Kompetenz, Konfliktfähigkeit und Kreativität gefragt, meint etwa Angelika Grözinger, die Präsidentin des DHB.

Das erinnert doch prompt an ein schon bekanntes Profil: das der neuen „Familienmanagerin“, die längst die Geschäfte der Hausfrau von einst übernommen hat und wesentlich mehr Bewunderer findet als diese – auch sie wenn bei Tageslicht betrachtet auch nicht weniger kocht, putzt und Kinder hütet. Alles nur Wortkosmetik und Imagepolitur also, wenn der DHB nun unter neuem Namen – als „Berufsverband der Haushaltsführenden“ – zukünftig auftritt? Der Alltag in den Familien aber en gros doch bei alten Rollenverteilungen bleibt?  

Man kann eine geschlechtsneutrale Sprache begrüßen oder belächeln. Die großen Weichenstellungen finden woanders statt. Beim Streit um „Herdprämien“ zum Beispiel. Oder bei Fragen des Unterhaltsrechts. Oder in der Diskussion um „Wickelmonate“, die nur Väter nehmen dürfen. Immerhin: Der Grünen-Politiker Cem Özdemir geht gerade in die Babypause. Kochen könne er aber nicht so toll, bekennt er freimütig in Interviews. Damit dürfte mal wieder entschieden sein: wer den Müll runterbringt.