Yagmur Öztürk lässt sich morgens um fünf Uhr von einem Wecker, der die Form einer Moschee hat, zum Gebet wecken und trägt auch zuhause ein Kopftuch. Die Muslima ist die Heldin in der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“, die in diesem Jahr mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Gespielt wird das 15-jährige Mädchen von Pegah Ferydoni, einer gebürtigen Iranerin, die in Berlin aufgewachsen ist. Mit ihrer Serienfigur hat sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam – keine Gebete, kein Kopftuch und auch nicht das Alter: „Ich bin jetzt 24, also beinahe zehn Jahre älter. Da muss ich beim Bewegungsablauf und bei der Stimme schon darauf achten, dass alles so jung wie möglich wirkt.“
Schwarze lange Haare, lachende Augen und ein offener Blick – Pegah Ferydoni ist eine selbstbewusste junge Frau, die mit ihrer Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit auffällt. Ein Kopftuch hat sie nie getragen. Mit zwei Jahren kam sie mit ihren Eltern, die beide Musiker sind, nach Deutschland, weil die Familie vor dem damaligen Regime flüchten musste. In Reinickendorf aufgewachsen, spricht die junge Frau fließend Berliner Dialekt. Seit ihrer Jugend singt sie in einer Band. „Ich liebe die Bühne seit meiner Kindheit schon und habe meine Hausaufgaben regelmäßig in der Kantine des „Berliner Ensemble“ gemacht, um Theaterluft zu schnuppern.“
Recht bald bot man dem wissbegierigen Mädchen eine Hospitanz an, wenig später stieg die knapp 18-Jährige zur Assistentin des musikalischen Leiters auf. Es folgten erste Episodenrollen in „Großstadtrevier“, „Der letzte Zeuge“ und „Alphateam“, am Hebbel-Theater spielte sie im vergangenen Jahr in Feridun Zaimoglus Stück „Schwarze Jungfrauen“. Eine Schauspielausbildung hat Pegah Ferydoni, die mit ihrem Kollegen und Verlobten Adrian Topol in Mitte wohnt, bisher nicht gebraucht. Oft allerdings wurden ihr Figuren mit so genanntem Migrations-Hintergrund angeboten: Sie sollte junge Mädchen spielen, die ihr Haar verhüllen und nur gebrochen deutsch sprechen.
So stellen sich immer noch viele Deutsche muslimische Frauen vor, und das
Fernsehen greift diese Klischees auf, vermutet Pegah Ferydoni. Keine Kopftuchrollen mehr! Das hatte sich die Schauspielerin vor ein paar Jahren geschworen. Als sie im Jahr 2005 jedoch das Angebot erhielt, die streng gläubige Yagmur Öztürk zu spielen, stimmte sie sofort zu: „In den meisten Filmen, in denen ich mit Kopftuch gespielt habe, ging es einfach nur darum, die Person als Muslima kenntlich zu machen, oder um einen folkloristischen Hintergrund. Bei der Figur Yagmurs steht die Kopfbedeckung in einem ganz anderen Kontext: Sie möchte sich von ihrem liberalen Vater emanzipieren und ist im Grunde genommen ein ganz normaler Teenager, der seinen Weg sucht.“
Während im Mai die 2. Staffel der ARD-Serie zu Ende ging, war Pegah Ferydoni erstmal mit anderem beschäftigt: In Marokko stand sie nämlich für „Summer 53“ vor der Kamera – einem Kinofilm, in dem sie ausnahmsweise mal ganz sich selbst spielen konnte: eine junge Iranerin, die mitten im Leben steht.
Ab Herbst geht es dann wieder weiter mit 16 neuen Folgen „Türkisch für Anfänger“.