Eine warme, sinnliche Stimme dringt aus dem Radio kommend in meine kalten Ohren. „Fancy robots from the sun. Fancy robots coming through.“ Was für eine Stimme...auf einmal ein Stimmungsumschwung. Wer ist diese Frau? Warum habe ich diesen Song noch nie zuvor gehört? Ich kritzele den Refraintitel auf ein altes Parkticket.
„Justine Electra“ spuckt später amazon.de als Interpretin eines Titels „Fancy Robots“ aus. Schnell ist die CD „Soft Rock“ bestellt, und nun kann die Recherche auf Google beginnen. justineelectra.org - die Website. What’s the story morning glory? Frau, jung, attraktiv. In Melbourne geboren, in Berlin lebend. Scheint in alternativer Kunst und DJ’ing unterwegs zu sein. Die Website macht neugierig. Sehr individuell. Definitiv kein Mainstream. Definitiv interessant.
Was einen Menschen wohl von Melbourne nach Berlin führt? Aus einer Stadt mit vier Jahreszeiten täglich in eine Stadt mit zwei Jahreszeiten jährlich. Von down under ins Posemuckelland. Von St. Kilda nach Kreuzberg.
it involves many civilians
many of whom are innocent
we got orders from the top
you know it’s all about money
we got families too…
we got loved ones, just like you…
come out with your hands up!
president, oh president,
this is a place for children
(Justine Electra: President, 2006)
Die CD liegt im Player. Fancy Robots ist der erste Song. Der erste Song von 13 Perlen. Die Stimme, die Arrangements, die Texte, einfach alles perfekt. Warum ist die orthodoxe Musikindustrie in einer tödlichen Krise? Vielleicht, weil sie keinen Empfang, kein Ohr mehr für Künstler wie Justine Electra hat. Oder einfach nur, weil Justine Electra in zu viele Kategorien fällt, nicht eindeutig zuordenbar ist. Zu komplex, zu vielseitig, zu gut für die „Convenience-Shopping“ Sortierung in der Mediamarktgesellschaft. Mehrfach hörbar. Suchtgefahr beinhaltend.